Rom. 120 Meilen vor der italienischen Insel Lampedusa dürfte sich eine weitere tödliche Flüchtlingskatastrophe ereignet haben: Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet, ist in der Nacht auf Sonntag neuerlich ein Flüchtlingsboot gekentert, vermutlich sind dabei bis zu 700 Menschen ertrunken. Laut Angaben von Überlebenden könnten es sogar 900 sein.

Ein zur Hilfe geeiltes Handelsschiff habe an der Unglücksstelle rund 60 Meilen nördlich der libyschen Küste von den vermuteten rund 700 Flüchtlingen nur noch 28 Überlebende gerettet, berichtet ANSA. Das Unglück habe sich in der Nacht knapp außerhalb libyscher Gewässer ereignet.


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Interaktive Reportage aus Sizilien
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Probleme gemeldet und um Hilfe gebeten

Die Menschen an Bord des gekenterten Bootes hatten vor dem Unglück bei der italienischen Küstenwache Probleme gemeldet und um Hilfe gebeten. In der Nähe befand sich ein portugiesischer Tanker. Die Besatzungsmitglieder berichteten, dass das Fischerboot mit den Hunderten Menschen an Bord vor ihren Augen umgekippt sei.

Das Fischerboot soll gekippt sein, weil die Migranten sich bei der Sicht des Tankers auf eine Seite versammelt hätten. Dadurch sei das Boot ins Schwanken geraten und sei dann umgekippt. Dutzende Schiffe und Flugzeuge sind im Einsatz. um den Überlebenden Hilfe zu leisten und nach Vermissten zu suchen.

Die ersten 21 Leichen seien geborgen worden sein. Rettungseinheiten sichteten Dutzende weitere Leichen. Mehrere Schiffe des EU-Einsatzes Frontex sind im Einsatz, um den Überlebenden Hilfe zu leisten. Italienische Medien berichteten, dass es sich um das bisher größte Flüchtlingsdrama im Mittelmeer handle.

Korun: "Beenden wir das Massensterben"

Die Grüne Menschenrechtssprecherin Alev Korun findet angesichts der tausenden Todesopfer im Mittelmeer deutliche Worte: "Während Tag für Tag Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Somalia und anderen Bürgerkriegsländern im Mittelmeer ertrinken, schauen EU und die meisten EU-Innenminister seit Jahren untätig zu. Das ist unerträglich."

Diesem täglichen Sterben vor den Türen Europas könne und müsse gemeinsam ein Ende gesetzt werden. "Statt des Schutzes der Grenzen vor Flüchtlingen, braucht es einen sicheren Korridor für die Einreise von Schutzsuchenden, damit sie nicht gewinnorientierten Schleppern ausgeliefert sind, die Flüchtlingsschiffe überladen und mit dem Leben von Flüchtlingen spielen. Und es braucht die Wiederaufnahme des Lebensrettungsprogramms im Mittelmeer, Mare Nostrum, das Flüchtlinge vor dem Ertrinken rettet", so Korun.