• vom 07.06.2016, 18:13 Uhr

Europäische Union

Update: 08.06.2016, 11:00 Uhr

Flüchtlinge

Europäischer "Marshallplan für Afrika"




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (10)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Werner Reisinger

  • Wirtschaftshilfe, um Flucht zu vermeiden: Wie sinnvoll sind vereinte Anstrengungen, in Afrika nachhaltig zu investieren?



Brüssel. Trotz allen sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Problemen - Afrika ist kein verlorener Kontinent, ist Heinz K. Becker überzeugt. Obwohl Millionen auf der Flucht sind vor Kriegen, despotischen Regimen, Umweltkatastrophen und bitterer Armut, habe Europa nach wie vor die Chance, den Fluchtursachen zumindest entgegenzuwirken. Der ÖVP-Europaabgeordnete rief deshalb Ende Mai internationale Experten zu einer Afrika-Konferenz zusammen. Das Ziel: eine Initiative für einen "europäischen Marshallplan für Afrika" zu setzen.

Mehr als 15 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, ein Viertel aller Flüchtlinge weltweit, befanden sich 2015 in afrikanischen Staaten, berichtet das UN-Flüchtlingshochkommissariat. Bei Weitem nicht alle suchen den Weg nach Nordafrika, um von Libyen oder Ägypten aus die gefährliche Überfahrt nach Europa zu wagen. Mehr als drei Viertel der Flüchtlinge sind Vertriebene im eigenen Land. Gerade für diese Binnenflüchtlinge müsse man bis 2050 400 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, sagte anlässlich der Konferenz die Direktorin für die Entwicklungskoordination in West- und Zentralafrika der EU-Kommission, Carla Montesi.


Genau hier soll der europäische Marshallplan ansetzen, geht es nach Becker. Klassische Entwicklungszusammenarbeit, so der Tenor in der EVP-Europafraktion, könne die Grundprobleme in Afrika nicht nachhaltig bekämpfen, weil es an entsprechender internationaler Koordination mangle.

1945 gab es Strukturen
Wie auch beim historischen Vorbild, mit dessen Hilfe Europa nach 1945 den Wiederaufbau schaffte, solle Europa deshalb einzelne nationale Programme zu Gunsten eines europäischen Generalplans zurückstellen. Zwischen 100 und 700 Milliarden Euro müsse man für Afrika in die Hand nehmen, würde man den historischen Marshallplan auf Afrika umlegen, rechnet der Wiener Wirtschaftshistoriker und Marshallplan-Experte Dieter Stiefel vor. So wie in der Nachkriegszeit müsse das Ziel sein, die afrikanischen Volkswirtschaften derart zu stärken, dass über den Export nachhaltige Beschäftigung und Wachstum erzielt werden können. Eine Situation, vor der in Zukunft - wie damals auch die USA als Geberland - Europa profitieren könne, ist sich Becker sicher: "Europas Engagement soll keineswegs nur aus altruistischen Motiven erfolgen."

weiterlesen auf Seite 2 von 2




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-06-07 18:17:05
Letzte nderung am 2016-06-08 11:00:09



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der kleinste gemeinsame Nenner
  2. 50.000 Menschen in der Türkei in Untersuchungshaft
  3. Erdogan warnt Österreich
  4. EU springt auf den Zug der künstlichen Intelligenz auf
  5. Kroatien nimmt Protest gegen Bleiburger Gedenktreffen ernst
Meistkommentiert
  1. Der Visionär vor der Barrikade
  2. Großdemontration für Demokratie und Neuwahlen
  3. Macron will Reformen sehen
  4. Türkische Wahlkampfauftritte werden untersagt
  5. Kampf der Geldwäsche

Werbung



Gesellschaftsrecht: Neue Regeln sollen Unternehmen den Schritt ins Ausland erleichtern und mehr Online-Kontakte mit Verwaltungen ermöglichen


Europäische Kommission - Pressemitteilung Brüssel, 25. April 2018 Die Kommission hat heute neue Vorschläge zum Gesellschaftsrecht unterbreitet, die Unternehmen grenzüberschreitende Umzüge, Zusammenschlüsse oder Spaltungen erleichtern sollen. Gleichzeitig sollen Arbeitnehmerrechte geschützt und Missbräuche des Steuerrechts verhindert werden.




Digitaler Wandel im Gesundheitswesen


Europäische Kommission - Factsheet Brüssel, 25. April 2018 Fragen und Antworten   1. Was schlägt die Europäische Kommission heute vor? Die Kommission hat heute eine Mitteilung angenommen, in der sie einen Aktionsplan darlegt, in dessen Mittelpunkt auf dreierlei Weise die Bürgerinnen und Bürger stehen, und zwar durch die Ermöglichung des...





Werbung


Werbung