Brüssel. Mit wem glaubt Europa noch Geschäfte machen zu können? Die Frage, die der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau vor wenigen Wochen in den Raum geworfen hatte, bleibt fürs Erste dort stehen. Denn die Wallonen beharrten auch am Montag auf ihrer Ablehnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Kanada (Ceta), und so verzögerte der belgische Landesteil die Unterzeichnung des Vertrags, die für kommenden Donnerstag angesetzt war. Wenn sich aber die Gemeinschaft unfähig zeige, einen "fortschrittlichen Handelspakt" mit einem Land wie seinem abzuschließen, fragte sich Trudeau - mit wem könne sie es dann?

Tatsächlich wirft der Zwist um Ceta seine Schatten auf Verhandlungen um ähnliche Vereinbarungen mit den USA oder Japan. Nicht nur das: Auch innerhalb der Union droht solch ein mühsames Tauziehen. Schließlich stehen nach dem Brexit-Referendum in Großbritannien Gespräche über den Austritt des Königreichs an - und ein wesentlicher Teil davon betrifft die künftigen Handelsbeziehungen.

Zu einem internen Problem wurde freilich auch Ceta. Denn mit den Kanadiern war das Abkommen bereits vor einiger Zeit ausverhandelt, und die EU-Kommission, die die Gespräche im Namen der Mitgliedstaaten führte, empfahl noch vor dem Sommer die Unterzeichnung der Vereinbarung. Doch dann regte sich Widerspruch in einigen Ländern, in denen die Kritik an Ceta gewachsen ist, parallel zu den Einwänden gegen TTIP, das heftig umstrittene transatlantische Abkommen mit den USA. Um dem Rechnung zu tragen, drängten Deutschland und Frankreich, aber auch Österreich darauf, Ceta als sogenannte gemischte Vereinbarung zu betrachten. Das bedeutet, dass damit nicht nur die EU-Institutionen befasst werden sein sollen, sondern auch die nationalen Parlamente ein Mitspracherecht haben.

Innenpolitische Motive spielen auch eine Rolle

Das wiederum eröffnete den Wallonen die Möglichkeit, das Vorhaben zu blockieren. Sie nutzten dafür das komplexe Verwaltungssystem und die föderale Aufsplitterung des Landes, die nicht nur Koalitionsverhandlungen nach jeder Wahl zu einem äußerst schwierigen Unterfangen geraten lassen. Denn Belgien hat einen frankophonen wallonischen und einen flämischen Teil, und das offiziell zweisprachige Brüssel ist eine von drei Regionen des Staates. Dort ist zwar der Sitz der Zentralregierung und des Parlaments, aber etliche Entscheidungen werden auf regionaler Ebene gefällt. Und die Gemeinden legen auf ihre Autonomie ebenfalls großen Wert. Daher kann Belgiens Premier Charles Michel nicht seine Zustimmung zu Ceta geben, solange nicht alle Regionen damit einverstanden sind.