• vom 25.03.2017, 09:30 Uhr

Europäische Union


Römische Verträge

Gestritten wurde in Europa immer




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Von Reinhard Göweil

  • Den Römischen Verträgen 1957 ging eine tiefe Krise voraus. Vor 60 Jahren war sozialpolitische Harmonisierung ein Ziel.

- © Peter M. Hoffmann

© Peter M. Hoffmann

Rom/Wien. Mit Verklärung wird des 25. März 1957 gedacht, als sechs Länder die Römischen Verträge unterzeichneten und damit die heutige Europäische Union gründeten. Nun waren diese sechs Männer - in erster Linie sind der damalige belgische Außenminister Paul-Henri Spaak und der deutsche Staatssekretär Walter Hallstein zu nennen - tatsächlich beseelt von einer Art Europäischen Föderation. Am Pathos rund um die Römischen Verträge muss dennoch gekratzt werden, denn gestritten wurde schon damals, und das nicht zu knapp.

Denn den Römischen Verträgen ging eine tiefe Krise voraus, ausgelöst von den Franzosen: Diese hatten 1954 die Gründung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) abgelehnt, in deren Rahmen die Wiederbewaffnung Deutschlands stattfinden sollte. Denn im selben Jahr hatte die Sowjetunion Frankreich geholfen, einigermaßen glimpflich aus dem desaströsen Indochina-Krieg auszusteigen. Viele Historiker bezeichnen dies als "politisches Tauschgeschäft". Europa und die Nato sähen heute anders aus, wäre die bereits akkordierte EVG umgesetzt worden.


1955 beendete die Konferenz von Messina den tiefen Streit zwischen den europäischen Ländern. Sie begann am 1. Juni in frostiger Atmosphäre und endete am 3. Juni mit einer gemeinsamen Erklärung, die den späteren Weg wies: Eine Wirtschaftsgemeinschaft solle den Kontinent einen. Großbritannien war dazu eingeladen, nahm aber nicht teil. Premier Winston Churchill, ein Verfechter der EVG, war im April 1955 zurückgetreten.

Aussöhnung Deutschlands
und Frankreichs

So blieb es bei den sechs Ländern Italien, Belgien, Luxemburg, Niederlande, vor allem aber Frankreich und Deutschland. Die Aussöhnung dieser zwei Nationen stand stets im Mittelpunkt der europäischen Integration. "Gläubigen und mutigen Staatsmännern ging es zunächst darum, die beiden großen Staaten zu versöhnen", sagte der belgische Außenminister Paul-Henri Spaak 1957 in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Karlspreises in Aachen. "Über alle Grausamkeiten und Leidenschaften hinweg (. . .) haben wir nach und nach das Bewusstsein entwickelt, dass dieser europäische Krieg, der Nationen gegen Nationen hetzte, nichts anderes war als die schreckliche Form eines Bürgerkriegs."

Aber auch die sowjetische Invasion in Ungarn 1956 und der sich entwickelnde Kalte Krieg brachten wieder Schwung in die europäische Einigung. In der sogenannte Spaak-Kommission wurde die seit 1951 bestehende Montanunion weitergedacht. Spaak dazu: "Ich bin überzeugt, dass vor allem die wirtschaftliche und soziale Zukunft den großen Gemeinschaften gehören wird." Schon damals wurde festgestellt, dass an einem gemeinsamen Markt kein Weg vorbei führe. Kein europäisches Land - so die damaligen Experten - könne es einzeln mit US-Autofabriken aufnehmen, kein Land habe die Kraft, große Transportflugzeuge zu bauen. Nun, Airbus ist Realität geworden, und Europas Autoindustrie gehört 60 Jahre später zu den besten weltweit.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-24 17:54:08
Letzte Änderung am 2017-03-24 18:24:32


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