• vom 25.03.2017, 09:30 Uhr

Europäische Union


Römische Verträge

Gestritten wurde in Europa immer




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief





Doch schon damals wurde klargestellt, dass es nicht nur um die Stahl- und Kohleindustrie gehen könne. Es gehe auch um Ideen und Lernprozesse, die Europa gemeinsam entwickeln müsse. Die Zollunion und der Abbau nationaler Regulierungen sowie unfairer Wettbewerbsbedingungen waren dabei die ersten Schritte.

Überwindung des Nationalstaates
Die Verfasser der Römischen Verträge wollten aber damit nicht stehen bleiben, ihr Ziel blieb die politische Union. Spaaks kongenialer Partner in diesem Prozess war Hallstein, Staatssekretär im deutschen Bundeskanzleramt zur Zeit Konrad Adenauers. Hallsteins Rolle zur Einigung Europas wurde gekrönt, als er 1958 der erste Präsident der EWG-Kommission wurde (er blieb es bis 1967). Auch er wusste von kleinlichen Debatten und Rückschlägen zu berichten, verlor das große Ziel aber nie aus den Augen - und das hieß Europäische Föderation, also die Überwindung des Nationalstaates.

"Der verklärende Rückblick übersieht allzu leicht, dass die Integrationspolitik sich durch viele Hindernisse hindurch kämpfen musste", schrieb Hallstein 1969. Damals bezeichnete er die Europäische Gemeinschaft als "unvollendeten Bundesstaat".

Das ist sie bis heute, denn eines ging auf dem Weg verloren: Männer wie Spaak und Hallstein hatten nicht nur einen großen gemeinsamen Markt im Auge, sondern sahen sehr klar dessen sozialpolitische Dimension. Die Harmonisierung der sozialen Systeme und des Lohnniveaus gehörten für sie dazu, wie im Spaak-Bericht zu lesen ist.

Sie wären wohl stolz gewesen, als 1992 die damaligen Regierungschefs die 1999 umgesetzte Gemeinschaftswährung auf den Weg brachten. Ob sie aber ausschließlich monetäre Kriterien dafür festgesetzt hätten, wie Defizit- und Schuldengrenzen? Da sie damals schon das "Prinzip gleicher Löhne für männliche und weibliche Arbeitskräfte" festschrieben, muss es eher bezweifelt werden.

Europa steht 2017 vor ähnlich radikalen Herausforderungen wie 1957. In den Berichten der Spaak-Kommission, auf deren Basis die Römischen Verträge unterzeichnet wurden, finden sich Konzepte, die auch 2017 noch wert sind, ausprobiert zu werden. Oder, um den 1972 verstorbenen Belgier noch einmal zu Wort kommen zu lassen: "Im Verlauf des Bauens an Europa kann es manchmal eine Pause geben, aber niemals ein freiwilliges Nachlassen."

zurück zu Seite 1




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-24 17:54:08
Letzte Änderung am 2017-03-24 18:24:32


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Großbritannien bleibt unser Freund, Partner und Allierter"
  2. Entwurf "verheerend" für Schottland
  3. "EU, dreckige Ratten"
  4. Gerüchte über Misstrauensantrag gegen May
  5. Rechnungshof bemängelt EU-Flüchtlingshilfe in Türkei
Meistkommentiert
  1. Merkel warnt vor Rückkehr des Nationalismus
  2. Innenministerium bereitet Entlassung Maaßens vor
  3. Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Parteispenden unter die Lupe
  4. Macrons europäische Friedensfeier
  5. Merkel: Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht

Werbung



Vorbereitung auf den Brexit: Europäische Kommission schlägt technische Änderung der EU-Rechtsvorschriften zur Energieeffizienz vor, um dem Austritt des Vereinigten Königreichs Rechnung zu tragen


Europäische Kommission - Pressemitteilung Brüssel, 13. November 2018 Im Rahmen ihrer laufenden Arbeiten zur Vorbereitung auf den Brexit hat die Europäische Kommission heute einen Beschluss zur Änderung der EU-Rechtsvorschriften über Energieeffizienz erlassen, um dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union Rechnung zu tragen.




Dank der Europäischen Woche der Berufsbildung 2018 entdecken Millionen Europäerinnen und Europäer die Vorteile der beruflichen Aus- und Weiterbildung


Europäische Kommission - Pressemitteilung Brüssel, 9. November 2018 Heute endet die Europäische Woche der Berufsbildung 2018, die Europäische Kommission in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Ratsvorsitz veranstaltet hat. Dank der 1512 Veranstaltungen in ganz Europa hat die Kampagne bislang 2,2 Mio. Menschen erreicht, 1,2 Mio. mehr als im vergangenen Jahr.





Werbung