• vom 28.03.2017, 16:48 Uhr

Europäische Union


Interrail

Der Zug ist abgefahren




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  • EU-Kommission lehnt Initiative, allen 18-Jährigen in der Union ein Interrail-Ticket zu schenken, ab.

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Brüssel/Wien. (red/afp/reu) Doch kein Geschenk zur Volljährigkeit von der EU-Kommission. Angesichts verbreiteter Europa-Müdigkeit sollten junge Bürger der Union für die gemeinsame europäische Idee begeistert werden: Ein freies Interrail-Ticket für alle zum 18. Geburtstag war der Plan. Damit sollten sie kostenlos einen Monat lang Bahn fahren können, um andere europäische Länder kennenzulernen. Das EU-Parlament hatte im vergangenen Jahr eine entsprechende Erklärung verabschiedet. Doch die EU-Kommission kündigte am Montag an, lediglich ein begrenztes Kontingent von Reisetickets im Rahmen von Bildungsprogrammen bereitstellen zu wollen.

Mittel anderswo abgezogen
Anlässlich des 30. Jahrestages der Gründung des Austauschprogramms Erasmus sollen nun 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Lediglich rund 5000 bis 7000 junge Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, allein oder mit ihrer Schulklasse ihre Partnerklasse in einem anderen EU-Land zu besuchen. Nicht nur ist der Personenkreis somit sehr klein. Die Mittel dafür sollen aus dem bestehenden Erasmus-Plus-Programm kommen, werden dort also an anderer Stelle wieder abgezogen.


Bei der drastisch abgespeckten Variante sollen die jungen Erwachsenen je nach Wohn- und Zielort Reisetickets im Wert von 350 bis 530 Euro erhalten. Um zugleich für emissionsarmes Reisen zu sensibilisieren, kommen für die Anreise zwar abgesehen von Pkw und gecharterten Bussen grundsätzlich alle Verkehrsträger in Frage, es darf aber ein bestimmtes Budget an CO2-Emissionen nicht überschritten werden.

Die Reisen, die bis zu zwei Wochen dauern können, sollten den Vorgaben der EU-Kommission zufolge zwischen August 2017 und Dezember 2018 stattfinden. Für Teilstrecken sind auch Flugreisen möglich, allerdings müssen die relativ hohen Emissionen dann auf anderen Teilstrecken wieder ausgeglichen werden.

Von dem Interrail-Ticket ist in der Ankündigung der Kommission nicht mehr die Rede. Dieses Angebot der europäischen Bahnen ermöglicht für Pauschalpreise zwischen 206 und 493 Euro Jugendlichen bis 27 Jahre Bahnreisen an einigen oder allen Tagen eines Monats in fast ganz Europa. Günstiger sind Tickets, die nur für einzelne Länder gelten. Angebote gibt es auch für Erwachsene, Senioren und Familien. Den Interrail-Fahrschein gibt es bereits seit den 1970er Jahren.

Für das kostenlose Interrail-Ticket hatte sich besonders die konservative Europäische Volkspartei im EU-Parlament unter Fraktionschef Manfred Weber eingesetzt. Der CSU-Politiker erklärte auf Twitter, die Kommission vergebe eine große Chance. Man dürfe einen einfachen Vorschlag für eine faszinierende Idee nicht bürokratisch umsetzen. "Gemeinsame Anstrengungen sind gefragt."

Wie das Projekt finanziert werden sollte, war von Anfang an die große Unbekannte. Laut EU-Statistikbehörde vollendeten im vergangenen Jahr 5,4 Millionen EU-Bürger ihr 18. Lebensjahr. Ihnen allen einen Interrail-Pass zu schenken, hätte die EU schätzungsweise 1,9 Milliarden Euro gekostet. Hätten sich nur 50 bis 70 Prozent für ein Ticket interessiert, wären dennoch Kosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro angefallen. Neben dem EU-Haushalt hätten auch die Mitgliedstaaten kräftig mitfinanzieren müssen. Länder wie Griechenland oder Spanien haben aber andere Prioritäten, da sich die Jobsuche für Jugendliche als schwierig erweist. In Griechenland haben fast 46 Prozent der unter 25-Jährigen keine Beschäftigung, Spanien liegt mit 42 Prozent an zweiter Stelle der unrühmlichen Rangliste.

Traum nicht ausgeträumt
"Also aus der Traum? Keineswegs. Wir sind überzeugt: Das Pilotprojekt ist nicht das Ende einer revolutionären Idee", reagierten Herr & Speer auf die Absage des kostenlosen Interrail-Tickets. Die beiden Aktivisten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer ventilierten die Idee, seitdem sie 2014 in einem Gespräch mit dem Schriftsteller Robert Menasse auf den Gedanken kamen.

Herr und Speer waren zuvor auf Europareise und mussten feststellen, dass die Jugendlichen Europas frustriert waren. In Folge der Finanzkrise war die Jugendarbeitslosigkeit im Süden Europas enorm gestiegen. Aber auch in nördlichen Ländern war von einer verlorenen Generation die Rede.

Dass sie das nicht ist, zeigte sich nicht zuletzt beim Brexit-Votum. Die Jungen stimmten mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib in der Union.




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Dokument erstellt am 2017-03-28 16:54:04


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