• vom 01.08.2017, 07:57 Uhr

Europäische Union

Update: 01.08.2017, 09:34 Uhr

EU-Arzneimittelagentur

Rendi-Wagner rührt Werbetrommel für EMA




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Von WZ Online, APA, mort

  • Gesundheitsministerin will sich intensiv für Standort Wien einsetzen. Entscheidung fällt im November.

Wiens Chancen als künftigen Standort für die EU-Arzneimittelagentur EMA stehen gut.

Wiens Chancen als künftigen Standort für die EU-Arzneimittelagentur EMA stehen gut.© APA, ap, Frank Augstein Wiens Chancen als künftigen Standort für die EU-Arzneimittelagentur EMA stehen gut.© APA, ap, Frank Augstein

Brüssel/London/Wien.30 Seiten umfasste die Bewerbung Österreichs um die EU-Arzneimittelagentur EMA. Die Behörde, die derzeit ihren Sitz noch in London hat, muss nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU einen neuen Standort suchen. Mitternacht ist nun die Bewerbungsfrist geendet. Österreich hat sich gemeinsam mit 22 weiteren EU-Städten um die EU-Agentur für Arzneimittel (EMA) beworben.

"Wien hat beste Infrastruktur und beste Lebensqualität für die EMA-Mitarbeiter", sagte Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner im "Ö1-Morgenjournal". Rendi-Wagner will im September nach Brüssel fahren und sich intensiv für den Standort Wien einsetzen. Sie seit zuversichtlich, dass Wien das Rennen um die EMA macht. Doch sie hält fest: "Letztlich ist es die Entscheidung der EU-Mitgliedsstaaten im EU-Außenministerrat im November."

Österreich fleißiger Antragssteller

Wie "Politico" am Montag berichtete, gehöre Österreich zu den fleißigsten Antragstellern. Insgesamt haben Vertreter der Alpenrepublik drei Mal den bisherigen EMA-Sitz in London besucht, Dänemark und Frankreich nur je zweimal.

Die Gesundheitsminister von Spanien, Frankreich, Irland, Malta, Portugal, Rumänien und Schweden waren ebenfalls einmal vor Ort. Durch den Brexit müssen die beiden derzeit in London befindlichen Agenturen - EMA und EBA (EU-Bankenaufsicht) auf das EU-Festland übersiedeln. Österreich hat sich zwar auch für die EBA beworben, doch sind die Chancen wesentlich besser, dass die EMA nach Wien kommen könnte.

Die EU-Kommission will die genaue Zahl der Bewerber am Dienstag offiziell bekanntgeben. Konkret wird eine Entscheidung über den neuen Standort sowohl für EMA als auch für EBA erst im November erwartet.

Wien hat acht Gebäude vorgeschlagen

Wie Philipp Tillich, der österreichische Gesundheitsattache in Brüssel, erklärte, habe Österreich acht Gebäude für die Unterbringung der EMA vorgeschlagen. Die Italiener wollen den 32-stöckigen Pirelli-Turm in Mailand anbieten. Barcelona wiederum wirbt mit dem "Torre Glories"-Wolkenkratzer. Griechenland möchte einen ehemaligen Gebäudekomplex einer Tabakgesellschaft zur Verfügung stellen. Andere Länder wiederum seien dabei, maßgeschneiderte Gebäude für die EMA erst zu errichten.

Darüber hinaus werben einige Staaten auch unverhohlen mit mehr Geld für
zusätzliches Personal. So will Spanien drei Millionen Euro zur Verfügung
stellen, um 40 Beschäftigte für Ausbildung und Training bereit zu
halten. Die Niederlande wiederum wollen dafür sogar acht Millionen Euro
ausgeben. 

Wien geht mit zwei konkreten Gebäudeangeboten ins Rennen - dem Austria Campus im zweiten Bezirk (Leopoldstadt) und dem VIE 26 Erdberger Lände im dritten Bezirk (Landstraße). Die Hauptkriterien der Kommission sind eine Größe von mindestens 26.500 Quadratmetern und eine Bezugsfertigkeit im Mai 2019, viel Platz für Konferenzräumlichkeiten sowie eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel.

Für Kindergartenplätze ist vorgesorgt



Für die geschätzten 530 Plätze für Kinder von EMA-Beschäftigten im Alter zwischen drei und 18 Jahren sei vorgesorgt. Neben den öffentlichen Schulen gebe es derzeit neun internationale Schulen in Wien mit einer Totalkapazität von 6.164 Plätzen, von denen mehr als 1.100 frei sind. Nach Sprachen aufgeteilt sind dies 366 französische Schulplätze, 740 englische und 16 schwedische. Zwei internationale Schulen wollen ihre Kapazitäten ausbauen bzw. neu nach Wien kommen (Brookes Educational Group, ein kanadischer Anbieter, möchte 2019 eröffnen - mit ca. 500 Plätzen. Die Erzdiözese Wien möchte 2018 eine "Europaschule" mit ca. 600 Plätzen eröffnen.

Ferner würde ein Betriebskindergarten von Wien mitfinanziert, sollte Bedarf bestehen. Für die Angehörigen der EMA-Beschäftigten gebe es Zugang zum Arbeitsmarkt und ein angepasstes Angebot des AMS, um den Einstieg ins Berufsleben in Österreich so gut und leicht wie möglich zu gestalten. Schließlich werde es u.a. auch Unterstützung bei der Übersiedlung und Wohnungssuche in Wien geben.

EMA derzeit mit 890 Mitarbeiter

Die EMA beschäftigt derzeit in London 890 Mitarbeiter. Bei der EBA sind es 190. Jene Städte, die sich in dem Standortwettbewerb durchsetzen, dürfen auf erhebliche Zusatzeinnahmen hoffen. EMA und EBA richten jährlich Hunderte Konferenzen und Veranstaltungen mit Experten aus aller Welt aus. Zuletzt sorgten beide Agenturen in London für rund 39.000 zusätzliche Hotelübernachtungen pro Jahr.

Nach einer Studie des IHS im Auftrag des Finanzministeriums könnte das österreichische Bruttoinlandsprodukt innerhalb von fünf Jahren um eine Milliarde Euro bei Ansiedlung der EMA in Wien steigen. Außerdem könnten in diesem Zeitraum 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze gesichert werden. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) zeigte sich optimistisch für Österreich und sagte zuletzt, man habe "zwei sehr attraktive Angebote" gelegt.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hatte im Juni betont, dass sich Wien gute Chancen bei der Vergabe der EU-Agenturen ausrechne. Es müsse jedenfalls ein transparentes Auswahlverfahren geben. Österreich habe als Forschungsstandort viel zu bieten, es gebe bereits eine Reihe von Pharmafirmen und Zehntausende Leute, die in diesem Bereich in der Forschung tätig seien.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-01 08:13:56
Letzte Änderung am 2017-08-01 09:34:23


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