• vom 07.01.2018, 18:00 Uhr

Europäische Union


Brexit

1918, Ende des Vielvölkerstaats und die Krise des geeinten Europa 2018




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Von Thomas Seifert

  • Illiberale Demokratien und wiedererstarkender Nationalismus bedrohen die Union.

Peter M. Hoffmann

Peter M. Hoffmann Peter M. Hoffmann

November 2018. Zeit, an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zu erinnern. Am 3. November wird sich der zwischen Österreich-Ungarn und der Entente bzw. Italien geschlossene Waffenstillstand von Villa Giusti bei Padua zum hundertsten Mal jähren, am 11. November jener von Compiègne, der zwischen dem Deutschen Reich und den beiden Westmächten Frankreich und Großbritannien geschlossen wurde.

Es waren turbulente Wochen, damals im Herbst 1918: Ungarn seit
1. November nicht mehr in einer Union mit Österreich, der deutsche Kaiser Wilhelm seit 9. November de facto abgesetzt. In Berlin wird die Republik ausgerufen, ein paar Tage später, am 12. November wird in Wien die Republik Deutschösterreich proklamiert.


Die Bilanz des Weltenbrands: 8,5 Millionen Tote und mehr als 21 Millionen Verwundete. Doch damals wurde auch schon der Keim für den nächsten Krieg gelegt: Einerseits durch die "Dolchstoßlegende" der "im Felde unbesiegten" deutschen Armee und den Weiterbestand des deutschen Militarismus und durch den Friedensvertrag von Versailles, der Deutschland wirtschaftlich in die Knie zwang. 1939 marschierte Hitlerdeutschland in Polen ein, der nächste Weltkrieg begann. 13 Millionen Menschen wurden auf europäischem Boden Opfer deutscher Massenverbrechen, 45 Millionen verloren in Europa durch den Krieg ihr Leben. Historiker sehen heute daher die Periode von 1914 bis 1945 als Europas Dreißigjährigen Krieg des 20. Jahrhunderts.

Erst die Aussöhnung in Westeuropa und das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den Kontrahenten Nato und Warschauer Pakt auf dem geteilten Kontinent bescherten Europa eine Periode von fast 50 Jahren Frieden. Der Transformationsprozess nach der Implosion des Ostblocks mündete am Balkan in einer Tragödie, im Rest des Kontinents ging dieser Prozess - trotz der Toten und Verletzten in Albanien, Litauen oder Rumänien - angesichts der gewaltigen Verschiebungen in der geopolitischen Plattentektonik bemerkenswert ruhig über die Bühne.

Die Trennung Europas war damit überwunden, in den EU-Erweiterungsrunden von 2004 und 2007 wurde die Integration vorangetrieben. Doch Europa schlitterte im Gefolge der Weltwirtschaftskrise von 2008, die spätestens 2010 zur Eurokrise metastasiert war, in eine tiefe Krise.

Das sichtbarste Zeichen der europäischen Malaise, der Brexit, wird - sollte nichts Unvorhergesehenes passieren - den Eurokraten in Brüssel lange Tage (und Nächte) im Büro bescheren. Die Brexit-Verhandlungen sollten bis Oktober 2018 abgeschlossen sein. Beide Seiten - Großbritannien und die Europäische Union - müssen bis zu diesem Zeitpunkt alles für den für 29. März 2019 um 23 Uhr geplanten Ausstieg des Vereinigten Königreiches unter Dach und Fach bringen. Das Ziel von Theresa May wird es sein, Meinungsverschiedenheiten zwischen einzelnen EU-Mitgliedsländern zu nutzen, um maximalen Zugang zum EU-Binnenmarkt zu behalten, gleichzeitig aber einen hohen Grad an nationaler Souveränität wiederzuerlangen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-27 16:59:06
Letzte Änderung am 2017-12-28 16:55:34


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