• vom 31.05.2018, 14:32 Uhr

Europäische Union

Update: 31.05.2018, 18:27 Uhr

Umweltschutz

Das bedrohte Amazonien Europas




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Erst diesen Mittwoch hat die auf organisierte Kriminalität spezialisierte Abteilung DIICOT der Staatsanwaltschaft unter Beteiligung von Spezialeinheiten der Gendarmeriebrigade "Vlad Tepes" (der zivile Name von "Graf Dracula") Durchsuchungen am Hauptsitz der rumänischen Tochter der österreichischen Firma Holzindustrie Schweighofer durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zum Verdacht, dass das Unternehmen seit 2011 illegal geschlagenes Holz angekauft habe. Am Mittwochmorgen durchsuchten dutzende DIICOT-Ermittler den Hauptsitz der Firma, deren vier Sägewerke im Land sowie knapp zwei Dutzend weitere Standorte, zehn Firmenmitarbeiter wurden einvernommen.



Laut rumänischer Polizei stehen "leitende Mitarbeiter besagten Handelsunternehmens" im Verdacht, seit 2011 "den Kauf von illegalem Rundholz koordiniert" und Ausschreibungen zahlreicher Forstbehörden "zweckentfremdet" zu haben, um sich zusätzliches Holz für die eigenen Sägewerke zu beschaffen. Ein guter Teil des eigenen Holzes sei laut Ermittlern in den Buchhaltungsunterlagen nicht erfasst worden.

Den Schaden beziffert die Polizei laut Austria Presse Agentur auf etwa 25 Millionen Euro. Einer der Vorwürfe lautet laut Auskunft aus gut informierten Kreisen, es gebe glaubwürdige Gründe für die Annahme, dass 27 Lieferanten eine Menge von 30.141 Festmetern Rundholz ohne Herkunftszertifikat an das Werk in Sebes angeliefert hätten.

Ein verfallenes Gehöft in der Nähe von Câineni, südlich von Sibiu.

Ein verfallenes Gehöft in der Nähe von Câineni, südlich von Sibiu. Ein verfallenes Gehöft in der Nähe von Câineni, südlich von Sibiu.

Schweighofer hat in einer Presseaussendung die Hausdurchsuchungen durch die rumänischen Behörden bestätigt und den Ermittlern volle Zusammenarbeit zugesichert. Man unterstütze die rumänischen Behörden im Kampf gegen unrechtmäßige Holzernte und bei der Sicherung einer nachhaltigen Holzindustrie in Rumänien, heißt es.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärte Michael Proschek-Hauptmann, Chef der Abteilung für Compliance und Sustainability bei Schweighofer, am Montag, dass das Unternehmen heute in der Lage sei, jede Holzlieferung direkt vom Ursprung bis zum Werkstor nachzuvollziehen. "Schweighofer hat eine Holzeinkaufspolitik verabschiedet, in der das Unternehmen sich verpflichtet, kein Holz aus Nationalparks und Urwäldern zu beziehen" - also noch vor dem Beginn der polizeilichen Ermittlungen. Tatsächlich hat das Unternehmen, das seit 2002 in Rumänien tätig ist und dort Sägewerke und Plattenwerke betreibt, laut eigenen Angaben rund eine Million Euro in das GPS-System Timflow investiert, das die öffentliche Nachverfolgung aller Rundholz-Lkw bis zum Werkstor ermöglicht. Von den rund 3100 Arbeitnehmern bei sind gut 2700 in Rumänien beschäftigt.

Kahlschlag im Nationalpark?

Kahlschlagfläche im Domogled-Nationalpark.

Kahlschlagfläche im Domogled-Nationalpark. Kahlschlagfläche im Domogled-Nationalpark.

In Rumänien wird Schweighofer attestiert, dass das Unternehmen Anstrengungen setze, vergangene Fehler nicht weiter zu begehen - auch der österreichische EU-Abgeordnete Thomas Waitz sagte nach einem Besuch bei Schweighofer, dass er glaube und hoffe, das Unternehmen werde die Sünden der Vergangenheit aufarbeiten. Immerhin sei er über die neuen Kontrollsysteme ausführlich informiert worden. Beim benachbarten Werk des österreichischen Pressspanplattenherstellers Kronospan gab es hingegen kein Interesse, mit dem EU-Parlamentarier über die Geschäftspraktiken in Rumänien zu sprechen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-05-31 14:40:27
Letzte Änderung am 2018-05-31 18:27:16



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