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Europäische Union

Update: 09.06.2018, 09:36 Uhr

Nordirland

"Niemand will zurück in die Vergangenheit"




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Von Alexandra Frech

  • Menschen im irisch-nordirischen Grenzgebiet befürchten negative Folgen des Brexit.

Sensible Region: die irisch-nordirische Grenze.

Sensible Region: die irisch-nordirische Grenze.© reuters/Kilcoyne Sensible Region: die irisch-nordirische Grenze.© reuters/Kilcoyne

Derry. (apa) "Willkommen in Muff" und "Tempolimits in Kilometern pro Stunde" - das ist alles, was hier darauf hindeutet, dass man sich nicht mehr im Vereinigten Königreich, sondern in der Republik Irland befindet. Die Staatsgrenze selbst ist unsichtbar - und so soll es auch nach dem Brexit bleiben, darüber herrscht an diesem sonnigen Tag hüben und drüben Einigkeit.

"Ich bin glücklich damit, wie es jetzt ist, ich will nicht, dass sich etwas ändert", sagt John, der in dem irischen Grenzort nahe der zweitgrößten nordirischen Stadt Derry/Londonderry in einer Tankstelle arbeitet. "Niemand will zur Vergangenheit zurück" - und er glaube auch irgendwie nicht daran, dass es letztlich so weit kommen werde.


"Jeder ist zufrieden damit, wie die Dinge jetzt sind", meint auch Daniel, der in Muff Manager in einem Geschäft ist. "Niemand will eine Grenze, die Leute können pendeln, es ist praktisch." Er ist allerdings weniger optimistisch: Zwar hoffe er, dass es nicht auf eine harte Grenze hinauslaufen werde, "aber irgendwas wird es wohl geben müssen", sagt er im Hinblick auf die Zeit nach dem britischen EU-Austritt.

Ähnlich denkt auch Margaret, die in dem Geschäft arbeitet: "Ich sehe nicht, wie es ohne harte Grenze gehen soll." Sie macht sich Sorgen über die möglichen Auswirkungen. "Das wird Folgen für die Menschen auf beiden Seiten haben" - etwa jene, die aus Muff nach Derry in die Arbeit fahren, oder Nordiren, die auf irischer Seite Immobilien gekauft hätten. "Kleine Grenzstädte wird es am meisten treffen." Sie nennt lange Staus und Zölle als mögliche Konsequenzen.

"Wahrscheinlich wird es Grenzkontrollen geben", erwartet Rory, vielleicht so wie zwischen der Schweiz und Frankreich. "Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht." Der Apotheker pendelt jeden Tag aus Derry nach Muff. "Jetzt brauche ich fünf Minuten" - in Zukunft werde es wohl etwas länger dauern, aber nicht sehr viel länger, hofft er. Vielleicht werde es dann spezielle Ausweise für Pendler wie ihn geben. Gewünscht hat er sich diese Entwicklung nicht: Er hat gegen den Brexit gestimmt.

"Nehmen Euro und Pfund"
Seine Kollegin Colette erinnert sich noch an eine Zeit, als Kontrollen in diesem Gebiet an der Tagesordnung waren. "Es gab Checkpoints der (britischen) Armee, die Autos wurden angehalten und durchsucht." Damals hat sie in Derry gearbeitet. Heutzutage denke man nicht einmal daran, dass man die Grenze überquere. "Das Einzige, worüber man sich Gedanken machen muss, ist die Währung" - und selbst das nicht unbedingt: "Wir hier nehmen Euro und Pfund, und viele Shops in Derry machen das auch."

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Schlagwörter

Nordirland, Irland, Brexit, Grenze

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 16:55:17
Letzte Änderung am 2018-06-09 09:36:25


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