Google hat in der Vergangenheit auch Herstellern von Smartphones und Browsern mit Deals dazu gebracht, entweder Google bei der Vorinstallation exklusiv zu verwenden oder Google zur Haupt-Suchmaschine zu machen.

Das gehe laut Kommission so weit, dass Google die Erlöse aus Werbung in der Such-App nur mit Geräte-Herstellern teile, wenn sie auf den Telefonen und Tablets Exklusivität genieße.

Google: "Android steht für mehr Auswahl"

Google wies stets darauf hin, dass seine Dienste ja nur vorinstalliert seien, aber natürlich jederzeit konkurrierende Anbieter auf das Smartphone geladen werden können. Android stehe vielmehr für mehr Auswahl, nicht weniger", sagt Google in einer Aussendung.

Das sieht dann in der Praxis laut Vestager folgendermaßen aus: "Nur ein Prozent der Konsumenten haben eine andere Suchmaschine heruntergeladen. Und nur zehn Prozent der Nutzer haben einen konkurrierenden Browser heruntergeladen." Das belege eine Untersuchung der EU-Kommission zu dem Thema. "Das Sprichwort besagt zwar, einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul. Aber es hat sich gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer einfach das hernehmen, was mit ihrem Handy geliefert wird", skizziert Vestager.

Technik-Experten wissen zwar, wie man sich die konkurrierenden Dienste auf das Smartphone installiert. Aber die Mehrheit der Konsumenten sind mit dem Herunterladen von anderen Browsern oder Suchmaschinen vollkommen überfordert. Und es bedarf einer gewissen Fingerfertigkeit, um den "Google-Suchbalken", der auf den meisten Screens der Handys lauert, wegzubekommen. "Google ist einfach tief verwurzelt im Betriebssystem", lautet die Diagnose eines Informatikers.

Google hat angekündigt, die Wettbewerbstrafe anzufechten.

Man darf gespannt sein, wie sich die Situation weiter entwickelt. Vestager kündigte hohe Strafzahlungen an, wenn Google sein Verhalten nicht binnen 90 Tagen ändere. Diese Pönale kann bis zu 5 Prozent des Tagesumsatzes des Mutterkonzerns Alphabet ausmachen - multipliziert mit der Anzahl der Tage, in denen der Konzern säumig ist. Wie Google das bewerkstelligen soll, liege in der Sphäre des Konzerns, so Vestager.

Die EU-Kommission sieht in bisher drei Fällen die marktbeherrschende Stellung von Google kritisch: Bei Preisvergleichen, Android und wegen des Anzeigendienstes Adsense. Weitere Ermittlungen könnten folgen. So hat Vestager Untersuchungen etwa beim Google-Bilderdienst oder dem Kartenservice Google Maps angedeutet.

Auftakt der Ermittlungen machte die Preissuche. Der US-Konzern wurde 2017 verurteilt. Die Wettbewerbshüter monierten, dass Google die Ergebnisse für seinen Preisvergleichsdienst bei entsprechenden Suchbegriffen sehr weit oben in den Ergebnissen anzeigt. Der am besten platzierte Wettbewerber tauche erst deutlich später auf.