Rom/Tripolis. Italien will in Zukunft auch keine Migranten mehr aufnehmen, die von Schiffen der EU-Marine-Mission "Sophia" aus Seenot gerettet wurden. Außenminister Enzo Moavero Milanesi habe dies vor wenigen Tagen der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mitgeteilte, berichtete die Zeitung "Die Welt".

Bisher waren vor allem Rettungsschiffe privater Hilfsorganisationen von Italien abgewiesen worden. Innenminister Matteo Salvini hatte aber angekündigt, dies solle auch für internationale Grenzschutz- und Rettungseinsätze im Mittelmeer gelten. Nach dem Schreiben des italienischen Außenministers an Mogherini berieten die zuständigen Botschafter im Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee der EU über alternative Lösungen zur Verteilung der Migranten. Ein Konsens sei dabei nicht gefunden worden.

Im Rahmen der Operation "Sophia" sind seit Mai 2015 mehr als 49.000 Menschen aus Seenot gerettet worden. Am vergangenen Wochenende hatten sich mehrere Länder, bereit erklärt, von den 450 vor der italienischen Küste in einem Holzboot geretteten Flüchtlingen jeweils 50 zu übernehmen.

Libyen gegen Lager


Der libysche Premier Fajes Seradsch lehnte indes Pläne der EU ab, Flüchtlinge in Zentren in dem nordafrikanischen Land unterzubringen. "Wir sind absolut dagegen, dass Europa bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte", sagte Seradsch zur "Bild" und fügte hinzu: "Wir werden auch keine Deals mit Geld mit der EU machen, um illegale Migranten aufzunehmen." Die EU solle vielmehr mit den Ländern reden, aus denen die Menschen kämen.

Vorwürfe gegen die libysche Küstenwache, sie habe Flüchtlinge auf dem Meer zurückgelassen, wies Seradsch zurück. Libyen brauche aber mehr technische und finanzielle Unterstützung, so der Premier.