US-Botschafter Trevor Traina im "Wiener Zeitung"-Interview. - © Cornelia Mairinger
US-Botschafter Trevor Traina im "Wiener Zeitung"-Interview. - © Cornelia Mairinger

"Wiener Zeitung": Schon vor dem Nato-Gipfel in Brüssel und dem Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin in Helsinki waren die Europäer voller Misstrauen gegenüber Donald Trump. Dieses Misstrauen ist seither noch gewachsen.

Trevor Traina: Die USA sind sehr an guten Beziehungen zu den Europäern interessiert. Es gab ja Kritik an der vergangenen Administration, dass beim sogenannten "Pivot to Asia", also bei der Verlagerung des US-Interessens-Fokus auf Asien zu wenig Augenmerk auf Probleme wie etwa Syrien oder die Krim gelegt wurde. Ich finde es in einem gewissen Grad auch seltsam, dass einige der Maßnahmen für Spannungen sorgen, die eigentlich im Interesse Europas sind: Ob es nun darum geht, die Nato zu stärken, oder ob es um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau geht.

- © Cornelia Mairinger
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Vor allem das besonders herzliche Verhältnis zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wird in einigen europäischen Ländern mit Argwohn beobachtet.

Ich glaube, wir sind uns einig darüber, dass die Beziehungen zwischen Russland und den USA so schlecht sind, wie seit Langem nicht. Die USA hat nach der Invasion der Krim durch Russland scharfe Sanktionen gegen Moskau verhängt. In diesem Kontext betrachtet sieht man, wie wichtig ein direkter Dialog zwischen den Präsidenten beider Länder ist. Ich bin davon überzeugt, dass ein solcher Dialog nicht nur im amerikanischen Interesse, sondern auch im Interesse Europas ist. Gerade in Österreich höre ich immer wieder den Wunsch nach besseren Beziehungen zu Russland. Ich denke, dass viele Menschen in Österreich sehr erfreut darüber sind, dass es den Versuch gibt, die Beziehungen zwischen Russland und den USA wieder zu verbessern. Denn Wien bemüht sich ja ebenfalls intensiv um gute Beziehungen zu Moskau. Es gibt zwischen dem Präsidenten der USA und dem russischen Präsidenten viele wichtige Themen zu besprechen: Denken Sie etwa an den Syrien-Konflikt oder die Frage der Cyber-Security. Da sollten alle Seiten daran interessiert sein, dass der Dialog zwischen Trump und Putin konstruktiv ist.

Aber Trump . . .

Sie dürfen nicht vergessen, dass derselbe Präsident Donald Trump, der eben Putin getroffen hat, es war, der Europa davor gewarnt hat, zu sehr von Energielieferungen aus Russland abhängig zu sein. Und es ist derselbe Präsident Donald Trump, der der Nato mehr Geld und mehr Truppen zur Verfügung stellt.

Auch in Washington sind selbst Parteikollegen Trumps skeptisch, was den Helsinki-Gipfel betrifft. Senator John McCain hat sich sehr kritisch geäußert und selbst Newt Gingrich - ansonsten ein getreuer Trump-Anhänger - hat mit Kritik aufhorchen lassen.