• vom 28.11.2018, 18:04 Uhr

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Update: 28.11.2018, 18:22 Uhr

Deutsche Islam-Konferenz

Neustart mit liberalen Muslimen




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  • Innenminister Horst Seehofer bietet bei der Deutschen Islam-Konferenz Kritikern der großen Dachverbände eine Bühne.

Knapp fünf Millionen Muslime leben in Deutschland. - © dpa/Soeder

Knapp fünf Millionen Muslime leben in Deutschland. © dpa/Soeder

Berlin/Wien. (da) Aus Muslimen sollten "deutsche Muslime" werden. Mit diesen Worten eröffnete der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble 2006 die erste Deutsche Islam-Konferenz. Um die Staatsbürgerschaft ging es Schäuble nicht, er wollte eine Diskussion über das Selbstverständnis der Gläubigen anstoßen. Doch welche Werte sind "deutsch", und wer repräsentiert seine Welt- und Glaubenssicht im Gespräch mit der Regierung? Das war schon 2006 umstritten, gehört doch die Mehrheit der mittlerweile knapp fünf Millionen Muslime in Deutschland keinem Glaubensverband an.

Dennoch lud Innenminister Thomas de Maizière von 2013 bis 2017 lediglich neun Verbände und Organisationen, darunter die großen vier - Ditib, den Zentralrat der Muslime, den Islamrat und der Verband den Islamischen Kulturzentren. Ditib hat laut Eigenaussage 800.000 Mitglieder. Religionswissenschafter gehen lediglich von 150.000 Personen aus, aber einem Umfeld von einer Million Menschen, berichtet der "Deutschlandfunk".


"Instrument" Erdogans
Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren Kritik an Ditib laut. Einigen Predigern war vorgeworfen worden, sie hätten Gläubige bespitzelt. Weiterer Stein des Anstoßes waren Gebete für türkische Soldaten im Syrien-Einsatz. Ditib untersteht dem türkischen Amt für religiöse Angelegenheiten, Diyanet. Susanne Schröter, Islamwissenschafterin an der Universität Frankfurt, sieht in Ditib ein "Instrument" des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zudem ist auf sunnitischer Seite der Einfluss von Saudi-Arabien, Katar und Ägypten gestiegen, aus dem schiitischen Iran fließen ebenfalls Gelder. Mehr als 90 Prozent der Imame werden nicht in Deutschland ausgebildet und vielfach aus dem Ausland bezahlt.

Horst Seehofer, als amtierender Innenminister nun Gastgeber der Islam-Konferenz, forderte die Moscheegemeinden auf, diese sollten sowohl Organisation und Finanzierung als auch die Ausbildung von Predigern "weitgehend selbst" stemmen. Das Auslandsfinanzierungsverbot ist ein Eckpfeiler des 2015 in Österreich in Kraft getretenen Islamgesetzes; eine legale Umgehung ist allerdings möglich. Wie die Finanzierung in Deutschland konkret aussehen soll, sagte Seehofer nicht.

Ebenso wenig wiederholte er seine Aussage vom März, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre. "Muslime gehören zu Deutschland", sagte Seehofer am Donnerstag.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-28 18:16:32
Letzte Änderung am 2018-11-28 18:22:31


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