Barcelona/Madrid. Es ist noch stockdunkel und bitterkalt: Freitagmorgen, 6.45 Uhr, wird Carme Forcadell, Kataloniens ehemalige Parlamentspräsidentin, in den Polizeibus gesetzt. Die Regionalpolizei Mossos d’Esquadra überstellt sie vom Gefängnis Mas d’Enric in der Nähe der Küstenstadt Tarragona in die Haftanstalt Brians in Sant Esteve de Sesrovires westlich von Barcelona.

Hier wird sie später der paramilitärischen Guardia Civil übergeben und nach Madrid gebracht. Denn in der spanischen Hauptstadt wird den ehemaligen Politikern wegen der Vorbereitung und Durchführung des illegalen Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober 2017 sowie der anschließenden Ausrufung der Katalanischen Republik der Prozess gemacht. Dieser soll am 12. Februar beginnen.

Doch die Überstellung der Gefangenen geht nur stockend voran. Bereits nach einem halben Kilometer muss der Gefangenentransport mit Forcadell an Bord anhalten. Eine Gruppe von rund 50 Unabhängigkeitsbefürwortern hat die Zufahrtsstraße zur Haftanstalt versperrt. Die ganze Nacht hatten sie Wache gehalten, um den Transport abzufangen. Der Begleitschutz der Polizei tritt in Aktion: Die Beamten lösten mit Schlagstöcken die Straßensperre auf. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Für die Polizisten kam es nicht unerwartet: Man rechnete mit Problemen, vor allem durch die radikalen Jugendbanden der linkspopulistischen Separatistenpartei CUP und die selbst ernannten "Komitees zur Verteidigung der Republik".

Inhaftiert: Junqueras. - © afp
Inhaftiert: Junqueras. - © afp

Auch vor der Haftanstalt in Lledoners, in der sich viele der männlichen Ex-Politiker befanden, kam es zu Problemen. Rund 30 Personen versuchten unter "Freiheit"-Rufen den Polizeibussen den Weg zu versperren, mit denen Jordi Sánchez und Jordi Cuixart, die ehemaligen Vorsitzenden der separatistischen Bürgerplattformen ANC und Omnium Cultural, sowie zahlreiche Mitglieder der bereits vor über einem Jahr abgesetzten Regionalregierung von Carles Puigdemont nach Brians gebracht wurden.

Von hier aus wurden schließlich alle Häftlinge zusammen - Forcadell mit acht weiteren Separatistenführern - gegen 9.30 Uhr in einem Gefangenentransportbus der Guardia Civil unter großen Sicherheitsvorkehrungen nach Madrid gefahren. Sogar zwei Polizeihubschrauber und über ein Dutzend Begleitschutzwagen eskortierten den Konvoi. Am Straßenrand, vor allem an der Zufahrtsstraße zur Haftanstalt, versammelten sich hunderte von Demonstranten mit katalanischen Unabhängigkeitsflaggen.

Reden vor der Haftanstalt

Inhaftiert: Forcadell. - © afp
Inhaftiert: Forcadell. - © afp

Auch zahlreiche Abgeordnete der separatistischen Allianz des im Exil befindlichen Carles Puigdemont, (Junts per Catalunya - JxCAT) hatten seit den frühen Morgenstunden vor der Haftanstalt Brians gewartet, um ihre Weggefährten zu unterstützen. "Nicht nur sie werden gerichtet, sondern 2,4 Millionen Katalanen, die am 1. Oktober 2017 am Unabhängigkeitsreferendum teilnahmen, um die Demokratie, die Meinungsfreiheit und das Selbstbestimmungsrecht unserer Nation zu verteidigen", so ein JxCAT-Sprecher vor der Haftanstalt.