• vom 12.12.2012, 21:11 Uhr

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Update: 13.12.2012, 12:19 Uhr

Serbien

Reichster Serbe verhaftet




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Von WZ-Korrespondentin Marijana Miljkovic

  • Miroslav Miskovic soll sich bei der Privatisierung eines Straßenbauunternehmens illegal bereichert haben
  • Belgrad macht im Kampf gegen die Korruption Ernst.

Geld in die eigenen Taschen soll Miskovic gesteckt haben.

Geld in die eigenen Taschen soll Miskovic gesteckt haben.© reuters Geld in die eigenen Taschen soll Miskovic gesteckt haben.© reuters

Belgrad. Miroslav Miskovic soll außer sich gewesen sein, als die serbische Polizei ihn am Mittwoch wegen Korruptionsverdachts festnahm. In zweitägiger Untersuchungshaft landeten neben dem reichsten Serben auch sein Sohn Marko Miskovic und acht weitere Verdächtige, die sich bei der Privatisierung eines staatlichen Straßenbauunternehmens illegal bereichert haben sollen. Der Schaden für den Staat soll 30 Millionen Euro betragen.


In Serbien werden die Verhaftungen als Schlag gegen die Korruption und organisierte Kriminalität gewertet, bei dem es endlich die Richtigen erwischt habe: Verantwortlich dafür zeichnet Serbiens Vizepremier Aleksandar Vucic von der Fortschrittspartei (SNS), der seit dem Sommer mit "brisanten Aufdeckungen" an die Medien tritt und politische Punkte sammelt.

Nun heißt es in Polizeikreisen, dass die Maßnahmen für den Personenschutz des Politikers, dem die serbischen Geheimdienste unterliegen, gestern erhöht wurden. Miskovic, der seit zwei Jahrzehnten mit der Politik jeder Couleur gute Verhältnisse pflegt, soll ihm gedroht haben. Dass die Drohungen, die Miskovics Anwälte später dementierten, ernst genommen wurden, sollen mit Miskovics angeblichem guten Draht zur Mafia zu tun haben. Genauer gesagt, zu Drogenboss Darko Saric, für den Miskovic Geld gewaschen haben soll. Mit dieser These trat Vizepremier Vucic sogar im Fernsehen auf. Miskovic und Saric sollen auch gemeinsam in die Belgrader Neubausiedlung "Belville" investiert haben - eines der Projekte der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank auf dem Balkan, für das sich die Justizbehörden brennend interessieren.

Miroslav Miskovic gehört zu jenen serbischen Oligarchen, die in den 90er Jahren ein beachtliches Imperium aufbauen konnten. Seine Delta Holding, die in ihren besten Tagen 24.000 Beschäftigte hatte, wurde jedoch immer mit Argwohn beobachtet. Denn Miskovic hatte im Transitionsprozess Serbiens während des Jugoslawien-Kriegs und der damaligen Führung unter Slobodan Milosevic profitiert wie kein anderer. Dass die Firmen des Oligarchen nicht in Serbien, sondern im Steuerparadies Zypern registriert waren, befremdete jedoch.

Serbisches Watergate
Ganz offiziell in Ungnade fiel Miskovic, als serbische Medien Ende Oktober den "serbischen Watergate-Skandal" heraufbeschworen. Hier ging es um angeblich illegale Überwachung des Präsidenten Tomislav Nikolic und von Vizepremier Aleksandar Vucic durch die Polizei beziehungsweise das Innenministerium. Vucic präsentierte prompt die Schuldigen: Tycoons, die den neu eröffneten Kampf gegen die Korruption verhindern und die Regierung stürzen wollen.

"Miroslav Miskovic ist vielleicht stärker als Aleksandar Vucic, aber er ist nicht stärker als der Staat und dieser wird gewinnen", sagte Vucic damals. Vucics Kampf richtet sich jedoch nicht nur gegen mutmaßlich kriminelle Tycoons, sondern auch die ehemalige Regierungspartei DS, die nach Ansicht Vucics eng miteinander verwoben sind.

Jedoch sollen alle Parteien in Serbien von der Gunst Miroslav Miskovics abhängig gewesen sein, er galt sogar als Regierungsbilder im Schatten. Die Sozialistische Partei des jetzigen serbischen Premiers und Innenministers Ivica Dacic soll es vor vier Jahren auf diesem Weg in die Regierung geschafft haben, Miskovic blieb jahrelang von der Justiz verschont.

Wunsch der EU erfüllt
Nun aber sind andere Zeiten angebrochen: Serbien kämpft verbissen um den Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der EU, die weder in der Kosovo-Frage, noch bei der Korruptionsbekämpfung unnachgiebig scheint. 24 verdächtige Privatisierungen nannte die EU-Kommission vor eineinhalb Jahren, die sie aufgeklärt haben wollte - darunter auch Fälle, in die Miskovic involviert gewesen sein soll.

Neben tausenden Arbeitsplätzen in Serbien verhalf Miskovic dem Land im Vorjahr zu einem ansehnlichen Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen. Er verkaufte seine Supermarktkette Delta Maxi, die mehr oder weniger Monopolstellung genießt, um knapp eine Milliarde Euro an den belgischen Konzern Delhaize.

Der Einfluss Miskovics und anderer weniger Unternehmer in Serbien, wird dafür verantwortlich gemacht, dass es internationale Handels- und Baumarktketten, aber auch Medien, schwer haben, überhaupt nach Serbien zu kommen und für einen fairen und für Serbien notwenigen Preiskampf zu sorgen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-12-12 19:17:06
Letzte Änderung am 2012-12-13 12:19:55


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