• vom 14.04.2013, 15:54 Uhr

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Update: 14.04.2013, 16:29 Uhr

Zypern

Zyperns Präsident Anastasiadis
im Strudel des Kapitalflucht-Skandals




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Von WZ-Korrespondent Ferry Batzoglou

  • Milliardentransfers vor dem "Haircut"
  • Griechische Zeitung enthüllt Namen von beteiligten Firmen und Personen.

Athen/Nikosia. Knapp vor dem Eurogruppen-Beschluss zur Zwangsabgabe für Spareinlagen in Zypern kam es zu Fällen massiver Kapitalflucht. Deshalb gerät Präsident Nikos Anastasiadis immer stärker in Bedrängnis.

Die angesehene Athener Tageszeitung "Ethnos" hat am Sonntag (14.04.2013) die geheime Liste der natürlichen Personen und Firmen enthüllt, die vom 1. März bis zum 15. März Gelder von den beiden zypriotischen Grossbanken Bank of Cyprus (BoC) sowie Laiki Bank ins Ausland transferierten. Die brisante Liste wurde erst kürzlich von Zyperns Notenbank dem Parlament in Nikosia zugestellt, bleibt dort aber offiziell unter Verschluss.


Die von "Ethnos" nun veröffentlichte Liste umfasst insgesamt 3.291 Transaktionen von BoC-Konten mit insgesamt 6.000 Kontoberechtigten sowie weitere 132 Transaktionen von Laiki Bank-Konten. Die Transaktionen von den BoC-Konten betreffen Geldabflüsse in verschiedenen Währungen: Neben Euro-Überweisungen sind Beträge in US-Dollar, Rubel, britischen Pfund, Kanadischem Dollar und anderen Währungen aufgeführt. Die Transaktionen von den Laiki Bank-Konten betreffen hingegen ausschließlich Euro-Überweisungen.

Laut "Ethnos" weisen die Geldüberweisungen im besagten Zeitraum ein Gesamtvolumen von 1,45 Milliarden Euro, 1,55 Milliarden US-Dollar, 10,86 Milliarden Rubeln sowie 37,40 Milllionen britische Pfund auf. Neben Firmen aus dem In- und Ausland, leitenden Bankangestellten und griechischen Politikern hätten der Zeitung zufolge unter anderem auch prominente Zyprioten aus Politik und Wirtschaft Gelder im besagten Zeitraum außer Landes geschafft.

In Bezug auf das Anwaltsbüro von Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis würden, so "Ethnos", auf Grundlage der Liste der Kapitalflüchtlingen in Verbindung mit den aufgetretenen Insider-Vorwürfen "ernste Fragen auftauchen". Die "ernsthaften Zufälle" um die betreffenden Transaktionen müssten von der zwischenzeitlich in Zypern eingesetzten Untersuchungskommission mit der gebotenen Sorgfalt unter die Lupe genommen werden, so das Athener Blatt.

Konkret habe laut der nun veröffentlichten Liste über die Transaktionen von BoC-Konten die Firma "Modisanna Ltd." am 6. März zunächst 13,28 Millionen US-Dollar sowie am 15. März, einen Tag vor dem brisanten Eurogruppen-Beschluss in der Causa Zypern, weitere 10,93 Millionen US-Dollar ins Ausland transferiert. Kontrolliert werde "Modisanna Ltd."  laut "Ethnos" von den Firmen "Ledra Ltd." sowie "Imperium Nominees Ltd.". Diese verweisen indes auf das Anwaltsbüro von Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis. Denn als Aktionäre fungieren hier die Firmen "Gemma Management Ltd." sowie "Imperium Nominees Ltd.", der wiederum ausgerechnet die Tochter von Zyperns Präsidenten, Elsa Anastasiadis, vorsteht. Pikantes Detail in der Causa Anastasiadis: Vor den Präsidentschaftswahlen im Februar hatte der 66-jährige Rechtsanwalt bei der Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse Einkünfte aus Dividenden eben dieser Firmen angegeben. Überdies stehe, so "Ethnos" weiter, Präsident Anastasiadis mit der Firma "Mabor co Ltd." in Verbindung. Sie habe laut Liste im Zeitraum vom 1. bis zum 12. März insgesamt 22,43 Millionen US-Dollar außer Landes geschafft.

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Schlagwörter

Zypern, Haircut, Geldtransfers

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Dokument erstellt am 2013-04-14 15:55:40
Letzte Änderung am 2013-04-14 16:29:32


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