• vom 12.09.2013, 18:12 Uhr

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Update: 12.09.2013, 19:08 Uhr

Türkei

Proteste in der Türkei entflammen erneut




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  • Demonstranten fordern Erdogan heraus - Polizei antwortet mit Härte.

Sicherheitskräfte feuern Tränengas ab. - © reuters

Sicherheitskräfte feuern Tränengas ab. © reuters

Istanbul. (lde) Dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan könnte ein heißer Herbst bevorstehen - denn erneut ist er mit
einer Protestwelle konfrontiert. Gleich in mehreren Städten - etwa in Istanbul, Ankara, Izmir und Antakya - kam es in der Nacht auf Donnerstag zu Demonstrationen. Die Proteste halten nun schon mehrere Tage an.


Die Polizei ist dabei mit Härte gegen die Demonstrationen vorgegangen, sie setzte Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Rund 20 Demonstranten wurden in Istanbul festgenommen. Auslöser der Proteste war der Tod des 22-jährigen Demonstranten Ahmet Atakan am Montag aus der Großstadt Antakya. Die Ursachen für den Tod des jungen Mannes sind umstritten. Einerseits behaupten Verwandte und Augenzeugen, dass den 22-Jährigen die Patrone eines Tränengasgeschosses am Kopf getroffen habe. Das berichtet auch die Nachrichtenagentur Dogan. Die türkischen Behörden wiederum ließen vermelden, der Demonstrant sei vom Dach eines Gebäudes gestürzt.

"AKP-Mörder", skandierten jedenfalls die Demonstranten in Izmir. Und der starke Mann der regierenden AKP, Premier Erdogan, muss nun eine Neuauflage der Protestwelle befürchten, die im Sommer das Land erfasste.

Letzten Juni kam es zu Protesten. Diese richteten sich zunächst gegen die Bebauung des Istanbuler Gezi-Parks, später gegen die Politik Erdogans, die die Demonstranten als autoritär bezeichneten. Auch damals ging die Polizei mit großer Härte gegen Demonstranten vor. Nach der Räumung des Gezi-Parks kam es zur Festnahme zahlreicher Demonstranten, die die türkische Regierung als "Rädelsführer" der Aufstände ausmachte. Zahlreiche politische Aktivisten, Journalisten, Schriftsteller und Anwälte sind angeklagt oder sitzen bereits im Gefängnis. Bei der Anklage der Personen kommt häufig das türkische Anti-Terror-Gesetz zum Einsatz. Laut ihren Kritikern nützen die Behörden den Spielraum dieses Gesetz aus, um unliebsame Opponenten ruhigzustellen. So sind Betroffene etwa mit dem Anklagepunkt "Verrat von Geheimnissen an das Ausland" konfrontiert.

Durch die Verhaftungswelle kam es zu einem Abflauen der Proteste, die nun aber nach den Sommerferien wieder die alte Intensität annehmen könnten - auch deshalb, weil die Protestbewegung im Internet gut vernetzt ist. Die Sicherheitskräfte gehen bei den jüngsten Protesten diese Woche nicht nur gegen Demonstranten hart vor - auch Journalisten wurden laut der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) Opfer brutaler Angriffe. Mehr als 12 Reporter, die über die wiederaufflammenden Proteste berichteten, wurden im Zuge der erneuten Proteste verletzt. Die türkische Regierung unter Ministerpräsident Erdogan bleibt weiterhin bei ihrer harten Linie und scheint vorerst zu keinen Kompromissen und Verhandlungen bereit.




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Dokument erstellt am 2013-09-12 18:17:07
Letzte Änderung am 2013-09-12 19:08:04


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