Horst Seehofer ist ein erstaunlicher Mensch. Jahrelang hat er sich im Sozialbereich gegen die Parteilinie der Union gestellt, ohne Schaden davon zu tragen. Dann kam heraus, dass er eine uneheliche Tochter hat, was in katholischen Bayern das Aus für eine politische Karriere bedeuten könnte. Aber nein, Seehofer blieb, wurde noch populärer, Vorwürfe der Vetternwirtschaft prallten an ihm ab, und heute hat er als Ministerpräsident der CSU die absolute Mehrheit in Bayern zurückgeholt.

Die CSU hat bei der Landtagswahl in Bayern die absolute Mehrheit der Mandate gewonnen. Die FDP, bisher Partner der Christlichsozialen ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und flog aus dem Landtag.

"Wir sind wieder da"

"Das ist ein großartiger Wahlerfolg", sagte Seehofer vor jubelnden Anhängern in München. "Wir sind wieder da." Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte er, die CSU werde nun alles dafür tun, dass die CDU-Vorsitzende Merkel Bundeskanzlerin bleibe. Allerdings bekräftigte er seine Forderung nach einer Pkw-Maut für ausländische Autofahrer, die Merkel ausgeschlossen hat. "Die Maut bleibt natürlich auch auf der Tagesordnung, und wir werden sie in einer neuen Bundesregierung auch durchsetzen."

Für Steinbrück ein Trend

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude räumte die Niederlage ein, betonte aber, die SPD habe hinzugewinnen können und "eine Trendwende" geschafft. "Es geht wieder aufwärts mit der SPD in Bayern", sagte der Münchner Bürgermeister. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erkannte in dem bayerischen Ergebnis einen Trend für die Bundestagswahl.

180 Sitze im bayerischen Landtag

Nach dem vorläufigen Endergebnis gewann die CSU deutlich auf 47,7 Prozent, nachdem sie 2008 mit 43,4 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 50 Jahren eingefahren hatte. Ihr Koalitionspartner FDP fiel auf 3,3 Prozent nach 8,0 Prozent vor fünf Jahren. Die SPD verbesserte sich auf 20,6 Prozent nach 18,6 Prozent 2008. Die Freien Wähler sackten auf 9,0 Prozent nach 10,2 Prozent vor fünf Jahren ab. Fast gleichstark mit 8,6 Prozent schnitten die Grünen ab, die damit auch unter ihrem Ergebnis von 9,4 Prozent von vor fünf Jahren blieben.

Damit erringt die CSU 101 der 180 Sitze im bayerischen Landtag. Die SPD stellt 42 Abgeordnete. Die Freien Wähler bleiben mit 19 Mandaten hauchdünn drittstärkste Kraft vor den Grünen mit 18 Sitzen. Die Wahlbeteiligung lag mit 63,9 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren mit 57,9 Prozent.

Mit Blick auf die Bundestagswahl betonte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: "Die Zweitstimme ist die Merkel-Stimme, und die wollen wir für die Union gewinnen." Auch der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet warnte in der ARD vor einer Zweitstimmenkampagne zugunsten der Liberalen und betonte: "Die FDP ist in Bayern traditionell immer schwach gewesen, ganz oft nicht im Landtag gewesen, so dass das, glaube ich, keine Auswirkungen auf die Bundestagswahl hat." Ähnlich argumentierte FDP-Chef Philipp Rösler: "In Bayern ticken die Uhren anders. Ab jetzt geht es um Deutschland." Das Wahlergebnis sei ein "Weckruf für alle Liberale". FDP-Präsidiumsmitglied Wolfgang Kubicki rief in der "Welt" seine Partei zu einer inhaltlichen Abgrenzung zur Union auf.

Grüne enttäuscht

Zuversichtlich für den nächsten Sonntag äußerte sich Steinbrück: "Wir wissen, dass die SPD bei einer Bundestagswahl immer noch mal deutlich besser abschneidet als bei einer Landtagswahl in Bayern", sagte er in Berlin. Umgekehrt sei bekannt, dass die CSU bei Bundestagswahlen deutlich schlechter abschneide als bei Landtagswahlen. Die SPD gehe daher selbstbewusst in die letzten Tage des Wahlkampfs. Parteichef Sigmar Gabriel sieht nun die Chance auf einen rot-grünen Wahlsieg gestiegen.

Die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt kündigte an, in der letzten Woche vor der Bundestagswahl das Thema Energiewende in den Mittelpunkt zu stellen. Auch wolle die Partei klarer als bisher deutlich machen, dass durch die umstrittenen Steuerpläne 90 Prozent der Bürger entlastet würden. Auch Parteichefin Claudia Roth will das grüne Kernthema Energie mehr in den Fokus rücken.

Linke nimmt's gelassen

Gregor Gysi, Spitzenkandidat der Linkspartei für die Bundestagswahl, twitterte sein Statement: "Die Linke hat es beim 2. Versuch leider noch nicht in den Bayerischen Landtag geschafft. Aber auch Grüne + Freie Wähler brauchten 3 Anläufe."