• vom 12.12.2013, 17:12 Uhr

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Update: 14.01.2014, 16:20 Uhr

Mobilität

Leise ist der letzte Schrei




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Von Alexander Dworzak aus Oslo

  • In Norwegen boomen Elektroautos - Fahrer dürfen die Busspur nutzen und erhalten Steuervergünstigungen
  • Oslo will auch Busse und städtische Flotte auf E-Antrieb umstellen.

Aus Oslos Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind die Elektroautos - Ladestationen und -kabel am Gehsteigrand inklusive. Dworzak

Aus Oslos Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind die Elektroautos - Ladestationen und -kabel am Gehsteigrand inklusive. Dworzak Aus Oslos Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind die Elektroautos - Ladestationen und -kabel am Gehsteigrand inklusive. Dworzak

Oslo. Tiefergelegte Karosserien, Heckspoiler mit bügelbrettähnlicher Fläche oder die obligatorische Doppelrohr-Auspuffanlage: An den Rändern Wiens und in den umliegenden Gemeinden fauchen aufgemotzte Mittelklasseautos gerne um die Wette. Oslo ist dagegen in jeglicher Hinsicht beschaulich: In Norwegens 600.000 Einwohner zählender Hauptstadt franst das Zentrum nicht in Fachmarktwüsten und Shoppingcentern aus, die Peripherie ist nicht Spielplatz manch spätpubertärer PS-Träume. Weder dort, und erst recht nicht im hippen Viertel Grünerløkka oder im mondänen Bygdøy grollen die Motoren - sie schnurren beinahe lautlos vor sich hin. Wer etwas auf sich hält, fährt ohne Spoiler - und ohne Verbrennungsmotor.


Der Elektroauto-Boom hat mittlerweile das gesamte Land erfasst. Zwölf Prozent aller im November in Norwegen verkauften Pkw sind E-Mobile - Österreich dümpelt bei 0,5 Prozent. Zwar ist der norwegische Automarkt von vergleichsweise bescheidener Größe: Lediglich 12.000 Autos wurden dort im vergangenen Monat registriert; in Österreich waren es fast doppelt so viele und in Deutschland 255.000 Pkw. Doch nirgends sonst auf der Welt sind die Elektroautos im Vergleich zum Gesamtmarkt derart bedeutend. Teslas umgerechnet 80.000 Euro teure Limousine S duelliert sich mit dem konventionell angetriebenen VW Golf um die Spitze in der Zulassungsstatistik, mit dem Kompaktwagen Nissan Leaf kommt ein weiteres E-Auto unter die ersten fünf Plätze.

In Wien 6720 Euro teurer, in Oslo 1670 Euro günstiger
"In Oslo gibt es einen parteiübergreifenden Konsens, die Elektroautos zu fördern", sagt Marit Vea, Beraterin von Oslos liberaler Vizebürgermeisterin, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dementsprechend forciert die Kommune die Infrastruktur für Elektromobile: 700 städtische Ladestationen stehen innerhalb Oslos zur Verfügung, Ende 2014 sollen es bereits 900 sein - zusätzlich zu den rund 1000 privat betriebenen Ladestationen. Zum Vergleich: Wien, das knapp dreimal so viele Einwohner wie Oslo zählt, verfügt derzeit über lediglich 136 Elektrotankstellen. Da Norwegen seinen Strom zu 99 Prozent aus Wasserkraft erzeugt, sind die E-Mobile tatsächlich umweltfreundlich - anders als in Deutschland oder Polen, wo man sich auf Kohlekraftwerke stützt.

Obendrein freuen sich die Besitzer von Leaf & Co über Gratis-Parkplätze im gesamten Stadtgebiet, und auch die City-Maut wird ihnen erlassen. Aus Oslos Stadtbild sind die Fahrzeuge daher nicht mehr wegzudenken, von schräg parkenden Mini-E-Mobilen im kantig-antiquierten Design bis zum mondänen Tesla, der knapp fünf Meter lang ist. Im hohen Norden ist der Besitz eines Elektroautos zudem nicht nur schick und beliebt ob der vielen Lademöglichkeiten, sondern auch finanziell reizvoll. Weder ist die Mehrwertsteuer in Höhe von 25 Prozent zu entrichten, noch fallen Abgaben für Zulassung und Import - deren Steuer auch von den CO2-Emissionen des Autos abhängig ist - oder Zoll an. Die Konsequenz: Kostet der elektroangetriebene Nissan Leaf gegenüber dem konventionellen VW Golf in Österreich in der Basisversion um 6720 Euro mehr, ist das Fahrzeug der japanischen Marke im Hochpreisland Norwegen um umgerechnet 1673 Euro günstiger als der Volkswagen.

Privilegiert: Kostenlose Parkplätze sind für E-Autos reserviert.

Privilegiert: Kostenlose Parkplätze sind für E-Autos reserviert. Privilegiert: Kostenlose Parkplätze sind für E-Autos reserviert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-12-12 17:17:07
Letzte Änderung am 2014-01-14 16:20:54


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