Die Konservative Partei von Premierminister David Cameron hat die für eine Alleinregierung nötige absolute Mehrheit im britischen Unterhaus gewonnen. Die Tories erreichten am Vormittag die Schwelle von 325 der 650 zu vergebenden Mandate; vier Sitze aus Nordirland bleiben traditionell unbesetzt.

Miliband räumt Niederlage ein

Herausforderer Ed Miliband kommt danach mit seiner sozialdemokratischen Labour Party auf 233 Sitze, die schottischen Nationalisten als drittstärkste Kraft auf 56. Die bisher regierenden Liberaldemokraten kommen auf zwölf Mandate. Die euroskeptische UK Independence Party (UKIP) kann mit zwei, die walisische Partei Plaid Cymru mit drei und die Grünen mit einem Sitz rechnen.

Miliband räumte seine Niederlage indirekt ein. "Wir haben nicht die Gewinne in England und Wales erreicht, die wir erhofft hatten", sagte der amtierende Labour-Chef. Britische Kommentatoren rechneten am Freitag mit einem baldigen Rücktritt Milibands. Meinungsumfragen hatten bis zur Öffnung der Wahllokale einen deutlich knapperen Ausgang vorhergesagt.

Liberale verlieren Großteil ihrer Sitze

Enttäuschend verlief die Wahlnacht auch für die bisher mitregierenden Liberaldemokraten. Sie verlieren einen Großteil ihrer bisher 57 Sitze und entsenden nur noch etwa zehn Parlamentarier. In Schottland legte die Unabhängigkeitspartei SNP dramatisch zu. Mit ihrer Vorsitzenden Nicola Sturgeon an der Spitze errangen die Nationalisten voraussichtlich 56 der 59 in Schottland zu vergebenden Sitze.

Cameron sprach in einer ersten Reaktion von einer "sehr starken Nacht" für die Konservativen. "Das ist eindeutig eine sehr starke Nacht für die Konservative Partei", sagte er am Freitag in seinem Wahlkreis Witney. Er betonte aber, dass das endgültige Ergebnis noch nicht vorliege. Dazu sei es noch zu früh. Cameron hatte gesagt, er werde bei seiner weiteren Arbeit die Interessen aller vertreten. Cameron hatte im Wahlkampf erklärt, im Falle eines Sieges bis 2017 eine Volksabstimmung über die weitere Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union abzuhalten.

20-jährige schottische Nationalistin Black jüngste Abgeordnete

Die schottische Nationalistin Mhairi Black ist bei der britischen Parlamentswahl zur jüngsten Abgeordneten im Unterhaus seit Jahrhunderten gewählt worden. Wie am Freitag mitgeteilt wurde, bezwang die 20-jährige Politikstudentin bei der Wahl am Donnerstag im Wahlkreis Paisley and Renfrewshire South den Labour-Wahlkampfmanager Douglas Alexander.

Damit wird Black das jüngste Mitglied des britischen Unterhauses seit 1667. Ihr Sieg ist symptomatisch für den Siegeszug der Schottischen Nationalpartei (SNP) und den Niedergang von Labour in Schottland bei diesem Urnengang. Die SNP, die nur in Schottland angetreten war, gewann dort laut Nachwahlbefragungen 58 der 59 zu vergebenen Sitze. Bisher hatte sie nur sechs Abgeordnete im britischen Unterhaus gestellt. Ein derart starkes SNP-Ergebnis schürt in anderen Teilen Großbritanniens die Befürchtung, dass es in Schottland schon bald einen neuen Anlauf für ein Unabhängigkeitsreferendum geben könnte.

Wechselkurs des Pfunds gestiegen

Der Wechselkurs des britischen Pfunds ist nach dem wahrscheinlichen Sieg Camerons indes gestiegen. Der Wert der britischen Währung zog sowohl im Vergleich zum Euro als auch zum US-Dollar an. Für einen Euro mussten am Devisenmarkt zuletzt 0,7246 Pfund bezahlt werden. Am Donnerstag waren es zeitweise noch deutlich mehr als 0,74 Pfund