Identitätsstiftend sind also in erster Linie Dinge, die Spaß machen, das beobachteten auch die Entwickler des Kartenspiels "Komm zu mir", das für einen ungezwungeneren Umgang mit Europa wirbt. Katharina Moser, Felix Auer und François Lang kreierten ein Spiel, bei dem mittels skurriler Situationskarten und ausgefallener Fakten aus den EU-Staaten ein Gespräch entstehen soll. Darin geht es etwa um Nationalinsekten, die Freiheit von Gartenzwergen und Menschen, die sich Frettchen in die Hose stecken. Es ist ein Jonglieren mit nationalen Stereotypen und regt zum Geschichtenerzählen an, wie man das aus den Gemeinschaftsräumen von Hostels kennt. "Wenn wir das in irgendwelchen Ministerien vorstellen und mit den Leuten dort spielen, ist das sehr lustig. Man denkt immer, die sind total zugeknöpft, aber sie lieben es quer durch alle Altersgruppen und sind begeistert dabei, weil es auch eine Herausforderung ist, kreativ zu sein und sich etwas zu trauen", sagt Katharina Moser von "Komm zu mir".

Insgesamt scheint die europäische Identität für jüngere Generationen des Kontinents ein kleineres Problem zu sein als für ihre Vorgänger, denn sie leben schon eine ganze Weile gemeinsam im Internet, hören dort Musik und schauen Filme und amerikanische Serien über Streaming-Portale. Sie machen unabhängig von ihrer Herkunft Witze über die Hipster oder Nigel Farage und schicken einander alle die gleichen Memes (Bildwitze, Anm.). Zwar variieren ihre Vorlieben, ihr Verhalten und der Grad der Partizipation je nach sozialer Stellung und Bildungsgrad unbestreitbar, jedoch gibt es für eine Menge junger Leute heute unzählige gemeinsame Anknüpfungspunkte aus ihrem Leben.

Auch haben die europaweiten Solidaritätsbekundungen nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" einmal mehr gezeigt, dass sich angesichts großer Tragödien in der Nachbarschaft viele Menschen durchaus als Europäer fühlen. Das Überspringen dieser Empfindung auf andere, alltäglichere Situationen ist jedoch ein noch andauernder Prozess.

Eine hastig für diesen Artikel durchgeführte und absolut nicht repräsentative Mikro-Umfrage nach Dingen, die Europa gemeinsam hat, resultierte außerdem noch in folgenden Antworten: weich gekochte Eier zum Frühstück, dass man bei McDonald’s auch Bier kaufen kann, Xenophobie, Schlösser und Burgen, die Pest und die tiefe Wahrheit, dass die US-amerikanischen Simpsons der Klebestoff sind, der einfach alles zusammenhält.