• vom 02.05.2016, 20:31 Uhr

Europastaaten


Pressefreiheit

Medienfreiheit wird in Russland zur Farce




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    Moskau. (dpa) Kann ein Land mit 2500 Fernsehkanälen Probleme mit der Pressefreiheit haben? Russland steht in Ranglisten zur Medienfreiheit notorisch schlecht da. Auf Platz 148 von 180 Staaten setzt Reporter ohne Grenzen in der neuen Rangliste der Pressefreiheit das größte Land der Welt. In der G-20 schneiden nur Mexiko, Türkei, Saudi-Arabien und China schlechter ab. "Es kann eigentlich nicht mehr schlimmer werden", sagt Alexej Simonow, Leiter des Fonds zur Verteidigung von Glasnost (Offenheit) in Moskau. Der Name der NGO erinnert an die kurze Phase freier Presse, die unter dem sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow begann und bis ins neue Russland dauerte. Als Präsident Wladimir Putin im Jahr 2000 ins Amt kam, zog er die Daumenschrauben wieder an.

    Dabei hat Russland eine moderne Medienlandschaft, sie ist sogar zu 90 Prozent privat organisiert. Wer aber mit Medien Geld verdienen will, schweigt am besten zu Politik, denn deren Darstellung wird von Putins Staat fast vollständig kontrolliert. Landesweite Fernsehsender wie Rossija, ORT, NTW oder der Nachrichtenkanal Westi-24 überziehen das Publikum mit einem Dauerfeuer an Unterhaltung und Propaganda. Das Fernsehen sei nicht mehr Spiegel, sondern "Fabrikant der Wirklichkeit", analysierte der Autor Peter Pomerantsev. Politik werde als "großangelegte Realityshow" inszeniert. Ein paar wenige Medien wie Doshd, Echo Moskwy oder "Nowaja Gaseta" dürfen als Feigenblatt fungieren.

    Eine Gegenöffentlichkeit bot in den vergangenen Jahren noch das Internet. Doch auch die Freiheit im Netz wurde zusehends eingeschränkt. Seiten wurden gesperrt. Blogger und selbst einfache Nutzer wurden unter dem dehnbaren Vorwurf des Extremismus bestraft. Neue Maulkorbgesetze sind in Vorbereitung. Die Russen seien tief gespalten, schreibt der Journalist Dmitri Trawin. "Der eine Bevölkerungsteil sieht das Land durch den Fernsehbildschirm und der andere durch das Internet." Infolge sähen sie "zwei einander nicht ähnelnde Russlands".





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    Pressefreiheit, Russland

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2016-05-02 18:20:05
    Letzte Änderung am 2016-05-02 19:01:31


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