Alpbach. Die Zukunft Europas ist am Sonntagnachmittag im Fokus der Eröffnung der Politischen Gespräche beim Europäischen Forum Alpbach gestanden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen plädierte in seiner Rede für ein Miteinander in der EU - nur so ließen sich Folgen der Digitalisierung, des Klimawandels und Migrationsfragen lösen "und nicht auf der nationalstaatlichen Ebene allein".

Van der Bellen hob bei seinem ersten Auftritt beim Forum Alpbach in seiner Funktion als Bundespräsident auch das Vereinte Europa in Gestalt der Europäischen Union als "einzigartige Zivilisationsleistung" hervor, die durch "pure Einsicht" insbesondere angesichts der Entwicklungen in Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt worden sei "und nicht durch Gewalt". Was dadurch erreicht worden sei, hätten die Länder "isoliert voneinander" nicht erzielen können. Der Bundespräsident nannte zudem die "europäischen Grundwerte" als wichtigen "Kompass", den man nicht vergessen solle - Freiheit, Gleichheit und Solidarität, aber auch Toleranz, Respekt, Rechtsstaatlichkeit, Humanität und Empathie.


Link-Tipps
Dossier Alpbach
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

 "Tiroler, Österreicher und Europäer"

Gerade junge Europäer hätten mit der europäischen Identität kein Problem, unterstrich Van der Bellen. Für sie sei es normal, "Tiroler, Österreicher und Europäer" oder "Sizilianer, Italiener und Europäer" zu sein, was ihn optimistisch stimme. Den Brexit bezeichnete der Bundespräsident als "tragische Fehlentscheidung", die einen jedoch nicht in Depression versetzen solle.

"Wir haben einen problematischen Nachbarn jenseits des Atlantiks, der schwer einzuschätzen ist", und "einen problematischen Nachbarn" an der "östlichen Außengrenze der Union", und natürlich sei es für solche Nachbarn interessant darüber nachzudenken, "wie sie die Union auseinanderdividieren können", sagte Van der Bellen - schon aus dem simplen Grund, weil es aus ihrer Sicht wohl einfacher sei, mit einem einzelnen Staat zu verhandeln und einen Erfolg zu erzielen, als mit einer Union von 500 Millionen Einwohnern. Es liege daher im Interesse jedes EU-Mitgliedsstaates, "nicht zurückzufallen in die alte Kleinstaaterei".

 Konfliktrisiken

Forumspräsident Franz Fischler ging in seinem Eröffnungsstatement auf das heurige Generalthema des Forums, "Konflikt und Kooperation", ein. Sowohl die Anzahl als auch die Risiken von Konflikten nähmen fast überall zu, doch gleichzeitig scheine die Fähigkeit mit Konflikten umzugehen, abzunehmen, sagte der ehemalige EU-Kommissar. Fischler nannte in diesem Zusammenhang unter anderem "Eskalation statt Deeskalation", "Protektionismus statt Multilateralismus", "Unwissenheit statt Toleranz" und "Raubbau statt Nachhaltigkeit".

Im Rahmen der rund zweieinhalbstündigen Eröffnungsveranstaltung fand die Uraufführung des Stückes "atem;aus;atmen", eine Paraphrase auf "71 oder Der Fluch der Primzahl" nach einem Theaterstück über die Flüchtlingstragödie von Parndorf statt. Vor genau zwei Jahren, am 27. August 2015, waren in einem abgestellten Lkw 71 Leichen entdeckt worden. Die geschleppten Flüchtlinge waren im luftdicht abgeschlossenen Laderaum erstickt.