• vom 26.01.2018, 17:44 Uhr

Europastaaten

Update: 28.01.2018, 17:27 Uhr

Interview

"Russland hat das getan, was Dugin zuvor gesagt hatte"




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Von Gerhard Lechner

  • Patrick Poppel hat den Besuch des umstrittenen russischen Soziologen Alexander Dugin in Wien eingefädelt. Im Interview spricht er über seine Sicht auf Russland, Europa und den Ukraine-Konflikt.



Patrick Poppel ist Chef des wegen Kontakten zu rechten russischen Kreisen umstrittenen Suworow-Instituts, das in der Ukraine-Krise gegründet wurde, um nach Eigenaussage "den russisch-österreichischen Dialog zu fördern." Foto: privat

Patrick Poppel ist Chef des wegen Kontakten zu rechten russischen Kreisen umstrittenen Suworow-Instituts, das in der Ukraine-Krise gegründet wurde, um nach Eigenaussage "den russisch-österreichischen Dialog zu fördern." Foto: privat Patrick Poppel ist Chef des wegen Kontakten zu rechten russischen Kreisen umstrittenen Suworow-Instituts, das in der Ukraine-Krise gegründet wurde, um nach Eigenaussage "den russisch-österreichischen Dialog zu fördern." Foto: privat

Wiener Zeitung: Herr Poppel, ihr Suworow-Institut hat den Besuch des umstrittenen russischen Soziologen Alexander Dugin in Wien organisiert. Dugin galt 2014, während der Ukraine-Krise, bei manchen als Inspirator der Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Danach hat er angeblich an Bedeutung eingebüßt. Welchen Einfluss hat Dugin in Russland heute noch?

Patrick Poppel: Beobachten Sie Dugins Aussagen, lesen Sie seine Artikel, und dann sehen Sie sich an, wie Russland gehandelt hat. Und sie werden sehen, dass Russland genau das getan hat, was Dugin zuvor gesagt hatte. Sowohl in Syrien als auch beim Iran und in der Ukraine-Krise.

In der Ukraine ist es aber nicht soweit gegangen, wie Dugin wollte. Dugin wollte sich mit dem Donbass ja keineswegs zufriedengeben.

Das stimmt. Im Großen und Ganzen hat Russland aber Dugins Denken in die Praxis umgesetzt.

Russland hat ja in seiner Nachbarschaft, vorsichtig ausgedrückt, nicht nur Freunde, sondern viele Gegner. Wenn Sie sich in die Lage eines westlich orientierten Ukrainers, eines Polen, Balten oder Rumänen hineinversetzen: Kann man nicht verstehen, dass diese Länder vor dem russischen Expansionismus Angst haben? Dass sie Schutz bei den USA suchen?

Erstens gibt es keinen russischen Expansionismus. Zweitens schützt Amerika überhaupt niemanden außer seine eigenen Interessen. Zu glauben, dass bei einem Dritten Weltkrieg der Kampf in den USA stattfindet, ist ein Blödsinn. Der wird auf europäischem Boden ausgetragen. Amerika ist kein Schutz, Amerika ist eine globale Bedrohung.

Warum?

Durch die massive Destabilisierung verschiedener Staaten im Nahen Osten und durch diesen immensen Expansionsdrang der Nato, wo nicht die europäischen Staaten die Hauptrolle spielen, sondern die USA. Ich glaube, dass das amerikanische Zeitalter langsam zu Ende geht. Wir leben in einer Epoche, in der sich eine multipolare Weltordnung ankündigt mit mehreren Machtzentren, von denen Russland eines ist. Auch Europa sollte dafür sorgen, eines Tages wieder eine unabhängige Zivilisation zu sein.

Ist es das denn nicht?

In Europa herrscht eine allgemeine Russophobie vor, die auch stark durch die USA unterstützt wird. Dabei wird Russland grundsätzlich als ein Gegner aufgebaut, der er nicht ist.

Ist das Verhalten Russlands in der Ukraine-Krise nicht wirklich ein Grund für massive Besorgnis für den Westen?

Ich würde eher sagen, dass das Verhalten des Westens in der Ukraine ein Grund zur Besorgnis um den Weltfrieden ist. Das, was in der Ukraine geschehen ist, war letztlich ein Putsch auf dem Maidan, wo radikale Kräfte das Ruder übernommen haben. Im Endeffekt gab es dann eine sehr stark faschistoide Regierung.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-26 17:47:11
Letzte Änderung am 2018-01-28 17:27:20


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