• vom 12.02.2018, 17:55 Uhr

Europastaaten


Gleichberechtigung

Beweislast für gleichen Lohn liegt in Island bei Firmen




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    Reykjavik. (afp) Gleiches Geld für gleiche Arbeit - klingt einleuchtend, ist aber längst nicht Realität. Auch in Island, das zu den fortschrittlichsten Ländern bei der Gleichbehandlung von Männern und Frauen gehört, klafft eine Lohnlücke: Sie betrug nach nationalen Statistikangaben zuletzt 16,1 Prozent (Österreich 2015: 21,7 Prozent). In Island gilt daher seit Jänner ein neues Gesetz, das den Arbeitgebern die Beweislast auferlegt. Firmen mit mehr als 25 Angestellten müssen schriftlich dokumentieren können, dass Männer und Frauen auf den gleichen Posten mit den gleichen Aufgaben dasselbe Gehalt bekommen. Nicht mehr dem Arbeitnehmer obliegt die Aufgabe, Diskriminierung zu beweisen, sondern den Firmen, sie zu widerlegen. Existiert tatsächlich eine unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen, müssen sie glaubhaft darlegen, dass sie nicht aufgrund des Geschlechts erfolgt.

    Strafzahlungen
    Dazu müssen die Unternehmen Anforderungen an den Job und Leistung der Arbeitnehmer transparent offenlegen. In die Einschätzung fließen unter anderem das Alter der Angestellten, ihre Ausbildung und Erfahrung, ihre Wertschöpfung und ihre Arbeitsbelastung ein. Knapp 1200 isländische Firmen und 147.000 Angestellte sind von dem Gesetz betroffen - den Firmen drohen bei Nichtbeachtung Geldstrafen von bis zu 400 Euro am Tag.


    Verabschiedet wurde das Gesetz Anfang Juni mit fast 80 Prozent Zustimmung. Die kleinen Unternehmen des Landes haben eine Übergangsfrist bis 2021. Eigentlich gibt es in dem Land auf dem Papier schon seit 1961 eine festgeschriebene Lohngleichheit von Frauen und Männern - nun soll das Gesetz die Lücke endgültig abschaffen. Zu den Kritikern des Gesetzes in Island gehört die dortige Piratenpartei - das Ziel sei lobenswert, die Umsetzung aber zu schwer und zu teuer.




    Schlagwörter

    Gleichberechtigung, Island

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    Dokument erstellt am 2018-02-12 17:59:24


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