• vom 07.03.2018, 12:06 Uhr

Europastaaten

Update: 07.03.2018, 16:16 Uhr

Janos Lazar

Empörung über Minister-Video




  • Artikel
  • Kommentare (9)
  • Lesenswert (46)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZOnline, APA

  • Der ungarische Minister Janos Lazar bezeichnete Wien in einem Video als schmutzig und unsicher.

Der ungarische Kanzleramtsminister Lazar bei dem Videodreh in Wien-Favoriten.

Der ungarische Kanzleramtsminister Lazar bei dem Videodreh in Wien-Favoriten.© embedly Der ungarische Kanzleramtsminister Lazar bei dem Videodreh in Wien-Favoriten.© embedly

Wien/Budapest. Wien sei schmutzig, unsicher und höchst kriminell, und das nur wegen der Zuwanderer. Das behauptete der ungarische Kanzleramtsminister Janos Lazar in einem Video, das er in der Nacht auf Mittwoch auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. In dem Video drohte Lazar: Würde die Opposition am 8. April bei den Parlamentswahlen in Ungarn siegen, werde Budapest in 20 Jahren so aussehen wie Wien.

Lazar behauptete in dem wohl in der Favoritenstraße in Wien-Favoriten gedrehten Video, dass es vor 20 Jahren noch keinen Zuwanderer in diesem Bezirk gegeben hätte, heute hingegen nur noch Pensionisten die einzigen verbliebenen Österreicher seien. Er wollte nach eigener Aussage einige Zuwanderer fragen, wie es ihnen denn in Wien gefalle, doch "keiner antwortete, da keiner Deutsch sprach". Es gebe viele Wiener Schulen, in denen "bereits keine weißen Wiener Kinder mehr lernen, sondern nur noch muslimische Kinder und Kinder aus Nahost", meinte Lazar.

Information

"Zuwanderer haben Lenkung übernommen"

Die "weißen christlichen Österreicher" hätten diesen Stadtbezirk bereits verlassen, dessen Lenkung die Zuwanderer übernommen hätten und nach ihrem Gutdünken formten, behauptete Lazar weiter. "Ich konnte mich bei meinem Gang durch die Stadt von großer Unordnung, von viel Müll und Schmutz überzeugen, ebenso von der Angst, in der die Menschen leben." Wenn Ungarn die Zuwanderer reinlässt und diese "in unseren Städten leben, sind die Folgen Verarmung, Kriminalität, Schmutz und unmögliche Lebensumstände". Dieser Prozess sei nicht aufhaltbar, kämen die Zuwanderer nach Ungarn.

Wien zeigt sich empört über jenes - inzwischen gelöschte - Facebook-Video des ungarischen Kanzleramtsministers Janos Lazar. Die Wiener Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) meldete sich etwa via Twitter mit harscher Kritik. Als Stadträtin für Internationales und "stolze Wienerin" protestiere sie "auf das Schärfste" gegen die Darstellung ihrer Heimatstadt.

Persönlich könne sie Ungarn nur wünschen, dass die Städte dort so werden, wie Wien - die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität, fügte Brauner hinzu. Auch Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) übersandte dem Minister mittels Facebook-Posting "wienliebe" und "favoritenpride". Der Bezirksvorsteher von Favoriten, Marcus Franz (SPÖ), versicherte wiederum in einer Aussendung: "Favoriten ist ein wunderschöner Bezirk, in dem die Menschen sehr gerne leben. Die Kritik an meinem Heimatbezirk ist überzogen."

Parteien empört

"Der ungarische Wahlkampf hat in Wien nichts verloren", verwies die Wiener SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak auf den demnächst anstehenden Urnengang im Nachbarland. Nachdem die Partei von Viktor Orban vergangene Woche im Zuge von Regionalwahlen bereits eine verheerende Niederlage erlitten habe, scheine ihr nun jedes Mittel recht zu sein. Dazu zähle auch ein "völlig aus der Luft gegriffenes Schreckensbild über Wien-Favoriten" und das "Aufhetzen von Personengruppen".

Novak forderte eine Entschuldigung von Lazar - und sprach von den "ungarischen Freunden von Sebastian Kurz und HC Strache". Man könne sich bereits ausrechnen, welch unanständige Methoden im kommenden Wahlkampf in Wien auf die Partei und die Stadt Wien zukommen werden. "Doch all jene, die sich solcher Methoden bedienen, werden in der SPÖ Wien einen erbitterten Gegner haben", versprach die rote Parteimanagerin.

Auch die FPÖ hat mit dem Kurzfilm keine Freude. Zwar hätten sich in den vergangenen Jahren unter der rot-grünen Rathaus-Koalition tatsächlich viele Dinge in die falsche Richtung entwickelt, befand der blaue Vizebürgermeister Dominik Nepp, aber das Video sei "unangemessen und im Sinne der an sich freundschaftlichen Beziehungen unter Nachbarländen nicht gerade ein Akt der Höflichkeit".

Video gelöscht

Am Mittwochvormittag wurde das Video von Lazars Facebookseite ohne Angabe von Gründen wieder gelöscht. Es ist nur noch ein zweites Video dort zu sehen, in dem Lazar an der österreichisch-ungarischen Grenze steht und ankündigt, bald einen Bezirk Wiens zu besuchen, der von den Einwanderern dominiert werde.

Mit dem Video hat die rechtskonservative Regierungspartei Fidesz den Schauplatz ihres Wahlkampfes auch nach Österreich verlegt. Dabei zeigen die Aufnahmen das friedliche Bild einer Fußgängerzone, in der weder Müll noch Schutz dominieren. Noch dazu erinnern Medien daran, dass Wien nach Umfragen eine der lebenswertesten Städte der Welt ist, zu deren wirtschaftlichen Entwicklungsgrad Ungarn aktuell laut Nationalbank-Chef Gyögy Matolcsy bis 2050 aufschließen möchte.





Schlagwörter

Janos Lazar, Ungarn, Wien, Zuwanderer

9 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-07 12:08:51
Letzte Änderung am 2018-03-07 16:16:07


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Es war kein Schicksalsschlag
  2. Genua trauert und sucht nach Opfern
  3. Schwedens Schandfleck
  4. EU-Sommerzeitumfrage endet am Donnerstag
  5. 200 Anzeigen gegen prügelnde Polizei
Meistkommentiert
  1. Ausschreitungen in Bukarest
  2. Sag, wie hast Du’s mit der Europäischen Union?
  3. "Den Schleppern das Handwerk legen"
  4. Die EU hält an einheitlicher Familienbeihilfe fest
  5. Zahl der Asylanträge in Europa gesunken

Werbung




Werbung