• vom 12.03.2018, 18:13 Uhr

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Update: 12.03.2018, 20:28 Uhr

Großbritannien

Spionage-Krimi mit vielen Fragen




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Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Der Anschlag auf einen Ex-Agenten hat die britische Stadt Salisbury aufgeschreckt.

Salisbury nach dem Attentat. - © reuters/Nicholls

Salisbury nach dem Attentat. © reuters/Nicholls

Salisbury. Schon ein paar Kilometer vor der Stadtgrenze drängt ein dumpf rumpelnder Armeekonvoi auf der Landstraße Privatfahrzeuge unsanft zur Seite. Polizisten auf Motorrädern begleiten die Schwertransporter, auf denen ein Sortiment von Streifen- und Rettungswagen aus Salisbury abgeschleppt wird, in Planen gehüllt und unter akutem Verseuchungsverdacht.

Ganz in der Nähe, im militärischen Forschungszentrum von Porton Down, sollen Experten der Streitkräfte die Fahrzeuge unter die Lupe nehmen. Das Nervengas, mit dem eine Woche zuvor Sergej Skripal und seine Tochter Julia im Zentrum von Salisbury attackiert worden waren, hat Behörden und Bevölkerung in dieser sonst so friedlichen Ecke Englands gleichermaßen aufgestört.


Die ganze Stadt fragt sich mittlerweile, was für ein Unheil da über sie hereingebrochen ist. Am örtlichen Friedhof sind gleich drei Einsatzwagen der Polizei hintereinander am Straßenrand geparkt. Von der Straße aus sind die blau-weißen Absperrstreifen und das Zelt drinnen zu erkennen, die der Öffentlichkeit den Zugang zu zwei Gräbern auf dem Waldfriedhof verwehren. Hier sind 2012 Skripals Frau Ludmilla und im Vorjahr Julias in Russland gestorbener Bruder Alexander bestattet worden. Zwei Polizeibeamte in ihren gelben Regenjacken halten unter einem Baum in der Nähe Wache.

Ein Nachbar ist aus seinem Haus, auf der anderen Seite der Straße, getreten, um vor der Tür eine Zigarette zu rauchen. "So eine Unruhe haben wir hier noch nie gehabt", brummt der Mann. "Ausgegraben haben sie bisher noch nichts. Aber wer weiß, was als Nächstes kommt?"

Das ist eine Frage, die vielen Bewohnern Salisburys auf der Zunge liegt. Der mysteriöse Anschlag auf den 66-jährigen russischen Ex-Spion und seine 33-jährige Tochter zieht immer weitere Kreise, seit bekannt geworden ist, dass eine "ungewöhnliche" Art von Nervengas als Waffe benutzt wurde - und dass Spuren dieses Gases an allen möglichen Plätzen in Salisbury gefunden worden sind.

"Vorbeugende Maßnahme"
Äußerst unangenehme Gefühle hat der jüngste Appell der Gesundheitsbehörden an die Bevölkerung der Stadt ausgelöst. Dame Sally Davies, die oberste Gesundheitsbeamtin der Regierung, erklärte am Wochenende überraschend, wer sich am Sonntag oder Montag voriger Woche im Restaurant "Zizzis" oder im nahen Mühlen-Pub Salisburys aufgehalten habe, solle die dort getragenen Kleider jetzt besser waschen und sonstige mitgebrachte Gegenstände - von Handtaschen und Schmuck bis zu Brillen und Mobiltelefonen - gründlich abtupfen. Und die zum Tupfen benutzten Tücher vorsichtig entsorgen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-12 18:17:45
Letzte Änderung am 2018-03-12 20:28:45


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