• vom 13.03.2018, 06:35 Uhr

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Update: 13.03.2018, 13:16 Uhr

Giftanschlag

Moskau verlangt Proben des Nervengifts




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Von WZ Online, APA

  • Lawrow kritisiert Ultimatum und betont "Unschuld". US-Außenminister droht mit "ernsthaften Konsequenzen".

Die Polizei in Salisbury schirmt den Ort ab, an dem Skripal und seine Tochter Anfang März entdeckt  wurden. - © APAweb/AP, Dunham

Die Polizei in Salisbury schirmt den Ort ab, an dem Skripal und seine Tochter Anfang März entdeckt  wurden. © APAweb/AP, Dunham

Washington/Moskau. Im Fall des vergifteten Ex-Spions hat Moskau von der britischen Regierung Zugang zu den Nervengift-Proben verlangt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, Russland sei in dem Fall "unschuldig" und "zur Zusammenarbeit bereit". Zugleich kritisierte er das von Großbritannien gestellte Ultimatum, dass sich Russland binnen 24 Stunden erklären solle.

Tillerson droht mit "ernsthaften Konsequenzen"

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Das Nervengift Nowitschok

Sein Name klingt harmlos, doch Nowitschok (zu deutsch Neuling) gilt als einer der tödlichsten je erfundenen Kampfstoffe. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den 1970er und 80er Jahren im Geheimen, um internationale Verbote zu umgehen. Es sind nur wenige Details bekannt.

Vermutlich besteht Nowitschok aus zwei an sich ungiftigen Komponenten, die ihre tödliche Gefahr erst beim Mischen entfalten. Das Relikt aus dem Kalten Krieg soll fünf bis zehn Mal stärker wirken als der chemische Kampfstoff VX. Mit diesem war vor einem Jahr der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un in Malaysia ermordet worden.

Nowitschok, oft in Form eines extrem feinen Pulvers, gelangt über die Haut oder Atemwege in den Körper und führt meist binnen weniger Stunden zum Erstickungstod. Das Gift ist nur schwer nachzuweisen, die Überlebenschancen sind gering. Selbst bei Vergiftungen dieser Art übliche Gegenmittel wie Atropin können meist nur wenig ausrichten.

 Nach Einschätzung der US-Regierung ist Russland "wahrscheinlich" verantwortlich für den Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal. Die USA stimmten mit ihrem Verbündeten Großbritannien überein, dass Russland "wahrscheinlich" hinter der versuchten Ermordung des ehemaligen Doppelagenten stehe, sagte US-Außenminister Rex Tillerson.

Den Verantwortlichen, "sowohl denen, die das Verbrechen begangen haben als auch denen, die es in Auftrag gegeben haben", müssten "angemessene, ernsthafte Konsequenzen" drohen. Die US-Regierung habe "volles Vertrauen" in die britischen Ermittlungen und die Einschätzung, dass Russland wahrscheinlich verantwortlich für die Nervengiftattacke sei, sagte Tillerson. Die beiden Verbündeten würden ihre Reaktionen weiterhin "eng abstimmen".

 Nowitschok-Substanzen

Die britische Premierministerin Theresa May hatte zuvor mitgeteilt, der Anschlag sei mit einer Sorte Nervengift ausgeführt worden, die in Russland entwickelt worden sei. Das verwendete Gift aus der Gruppe der Nowitschok-Substanzen sei "von militärischer Qualität". Offizielle Stellen in Russland hätten den Anschlag entweder direkt in Auftrag gegeben oder ihn zumindest ermöglicht.

May stellte Russland ein Ultimatum bis Dienstagabend. Bis dahin müsse sich Moskau zu dem Fall erklären, sonst werde es Sanktionen geben. Moskau wies die Vorwürfe zurück.





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Dokument erstellt am 2018-03-13 07:15:58
Letzte Änderung am 2018-03-13 13:16:44


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