• vom 13.03.2018, 18:17 Uhr

Europastaaten

Update: 14.03.2018, 08:43 Uhr

Niederlande Wahl

Mokum hat genug




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ-Korrespondent Tobias Müller

  • Fast alle Amsterdamer Parteien unterzeichnen vor den Lokalwahlen am 21. März ein Abkommen gegen Antisemitismus. Ein später Schritt - und doch eine Premiere.



Antisemitische Vorfälle in den Niederlanden nehmen zu.

Antisemitische Vorfälle in den Niederlanden nehmen zu.© Schlijper/Hollandse Hoogte/laif Antisemitische Vorfälle in den Niederlanden nehmen zu.© Schlijper/Hollandse Hoogte/laif

Amsterdam. Das koschere Restaurant HaCarmel dürfte derzeit das bekannteste der Niederlande sein. Keine andere gastronomische Einrichtung ist häufiger in den Nachrichten. Was nichts mit den schmackhaften Hummus- Spezialitäten und dem reichhaltigen vegetarischen Angebot zu tun hat. Eher damit, dass Sami Bar-on, der israelische Eigentümer, in diesem Winter ein regelmäßiger Kunde von Glasereien wurde.

Im Dezember schlug ihm ein syrischer Palästinenser die Scheiben ein - aus "Verzweiflung" über Israels Politik. Kurz nach Neujahr, als Bar-on nach dem Schabbat in sein Lokal kam, fand er die Fenster mit Mayonnaise und Eiern beschmiert. Anfang März schließlich mussten die gerade eingesetzten, extra-stabilen Scheiben schon wieder erneuert werden: Jemand hatte nachts probiert, sie mit einem schweren Gegenstand einzuwerfen.

Während die Polizei einen anti- jüdischen Hintergrund der Tat noch nicht bestätigen wollte, reagierte die Politik: Wenige Tage nach dem jüngsten Angriff auf das Restaurant unterzeichneten die lokalen Abteilungen von zwölf Parteien ein "Amsterdamer Jüdisches Abkommen". Ziele: Antisemitismus und Gewalt gegen Juden bekämpfen sowie ein stärkerer Einsatz für die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft und ihrer Infrastruktur.

Teil der Abmachung ist auch, dass in sämtlichen Bildungseinrichtungen der Stadt Judenfeindlichkeit bekämpft wird. Auf allen weiterführenden Schulen ist der Besuch einer Gedenkstätte obligatorisch, die über die Geschichte der Amsterdamer Juden berichtet. Zudem bekommen Schulen und Lehrer Unterstützung, die beim Unterricht über die Shoah auf "Hindernisse" treffen. Auch wer neu in die niederländische Hauptstadt zieht, wird in Zukunft über deren jüdische Geschichte informiert.

Antisemitische Vorfälle sind keine Einzelfälle

Ein Schritt mit Pionier-Charakter: "Es ist das erste Mal in den Niederlanden und in Europa, dass Parteien, die sich zur Wahl stellen, zuvor ein Abkommen über Dinge unterzeichnen, die für die jüdische Gemeinschaft von vitaler Bedeutung sind", kommentiert der Dachverband jüdischer Gemeinden NIK (Nederlands Israëlitisch Kerkgemeenschap).

Am 21. März finden in den Niederlanden Kommunalwahlen statt. Das Bekenntnis der Unterzeichner bezieht sich darum ausdrücklich auf die kommende städtische Legislaturperiode bis 2022.

Die nahenden Wahlen sind aber nicht der einzige Grund, warum die Politik schnell handelte. Vielmehr sind die Angriffe auf das koschere Restaurant die Zuspitzung einer Tendenz, die Juden in Amsterdam und anderen niederländischen Städten seit langem besorgt.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-13 18:20:46
Letzte Änderung am 2018-03-14 08:43:05


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Tusk und Juncker mit breitem Lob für Kurz
  2. Kosovo führt eigene Armee ein
  3. Brexit-Blues allerorts
  4. Verheerende Reaktionen in Großbritannien
  5. Belgrad will UNO-Sicherheitsrat befassen
Meistkommentiert
  1. Kramp-Karrenbauer ist neue Vorsitzende
  2. Mehr als 1700 Festnahmen bei "Gelbwesten"-Protesten
  3. Belgiens Regierung zerbricht am Migrationspakt
  4. Jean Asselborn: "Wir verlieren unsere Seele"
  5. Ermittler fahnden nach Attentäter

Werbung




Werbung