• vom 30.03.2018, 18:15 Uhr

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Update: 31.03.2018, 08:28 Uhr

Kosovo

Zurück im Krisenmodus




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  • Die Auslieferung von sechs Gülen-Anhängern in die Türkei verschärft die ohnehin schon angespannte Lage im Kosovo noch einmal.

Schülerinnen des Mehmet-Akif-College demonstrieren gegen die Auslieferung ihrer Lehrer in die Türkei. - © ap

Schülerinnen des Mehmet-Akif-College demonstrieren gegen die Auslieferung ihrer Lehrer in die Türkei. © ap

Pristina. (rs) Probleme hat Ramush Haradinaj derzeit eigentlich schon genug. Denn seit die Belgrad-treue "Serbische Liste" diese Woche aus der Regierung ausgetreten ist, steht der kosovarische Premier nicht nur vor massiven Schwierigkeiten, wenn es darum geht, im Parlament eine Mehrheit zu finden. Auch die alten und bis heute nur notdürftig zugedeckten Konflikte mit dem Nachbarland Serbien drohen plötzlich wieder aufzubrechen.

Seit kurzem steht Haradinaj allerdings vor einem weiteren Problem. Denn die Auslieferung von sechs türkischen Staatsbürgern hat eine zusätzliche Front in der kosovarischen Regierungskrise eröffnet. Mit Innenminister Flamur Sefaj und Geheimdienst-Chef Driton Gashi enthob der Premier am Freitag jene beiden Männer ihres Amtes, die für die Abschiebung verantwortlich gewesen sein sollen. "Die gesamte Operation vom Entzug der Aufenthaltsgenehmigungen bis zur geheimen Abschiebung erfolgte ohne mein Wissen und ohne meine Erlaubnis", sagte Haradinaj.


Die sechs Männer hatten vor ihrer Verhaftung am Donnerstag als Lehrer am Mehmet-Akif-College gearbeitet, das von der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen finanziert wird. Laut Ankara sollen die Lehrer Anhänger für das Gülen-Netzwerk rekrutiert haben und Personen, gegen die im Zusammenhang mit dem gescheiterten Putsch im Sommer 2016 in der Türkei ermittelt wurde, zur Flucht von dort verholfen haben.

Gülen, der seit 1999 im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt, gilt in der Türkei als Staatsfeind Nummer eins und als Drahtzieher des Umsturzversuches. Der 76-jährige hat zwar jede Beteiligung vehement bestritten, seit Monaten drängt die türkische Regierung aber dennoch weltweit massiv auf die Auslieferung der Anhänger der Bewegung. Stark unter Druck geraten sind in diesem Zusammenhang auch die Gülen-Schulen, die in mehr als hundert Ländern Unterricht anbieten. Der Kosovo, wo die Gülen-Bewegung Volks- und Mittelschulen sowie Kindergärten betreibt, hatte sich den Wünschen und Drohungen Ankaras allerdings bis zuletzt widersetzt.

Doch die Türkei ist für den kleinen Kosovo mit seinen gerade einmal 1,8 Millionen Einwohnern alles andere als ein einfacher Gegner. Denn sie besitzt schon allein durch die gemeinsame Religion - im Kosovo bezeichnen sich mehr als 95 Prozent der Einwohner als gläubige Muslime - und die historische Tradition erheblichen Einfluss. In den vergangenen Jahren ist der Kosovo allerdings auch zu einem Aufmarschgebiet für türkische Unternehmen geworden, die Straßen, Flughäfen oder Spitäler bauen. Wer die im Kosovo so dringend benötigten Jobs bekommt, liegt damit oftmals in türkischer Hand.




Schlagwörter

Kosovo, Türkei, Fethullah Gülen

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Dokument erstellt am 2018-03-30 18:21:01
Letzte Änderung am 2018-03-31 08:28:55


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