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Update: 01.04.2018, 19:42 Uhr

Ungarn

"Fidesz ist heute die Mafia"




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Von WZ-Korrespondentin Kathrin Lauer

  • Die Opposition hofft auf eine Überraschung bei der Parlamentswahl am 8. April. Ein Besuch in der von Márki-Zay regierten Stadt.

Márki-Zay setzte sich in der Fidesz-Hochburg durch. - © FB/Márki-Zay

Márki-Zay setzte sich in der Fidesz-Hochburg durch. © FB/Márki-Zay



Im Rathaus residiert Márki-Zay neben dem Kanzleichef von Premier Orbán.

Im Rathaus residiert Márki-Zay neben dem Kanzleichef von Premier Orbán.© wikimedia/Joergsam Im Rathaus residiert Márki-Zay neben dem Kanzleichef von Premier Orbán.© wikimedia/Joergsam

Hódmezövásárhely.Draußen bröckeln Putz und Pflastersteine, drinnen sind die Vorhänge bunt bestickt, die Sessel weich. Antikisierender Stuck ziert das verspielte eklektische Interieur in den großzügigen Fluren. Doch seit einem Monat ist es im ersten Stock des Rathauses von Hódmezövásárhely mit der Gemütlichkeit vorbei, denn dort residieren jetzt zwei politische Gegner Tür an Tür: der neue parteilose Bürgermeister Péter Márki-Zay und János Lázár, Kanzleiminister des Regierungschefs Viktor Orbán. Das Vorzimmer teilen sich die beiden. Lázár steht als Parlamentsabgeordnetem auch in seinem Heimatwahlkreis ein Büro zu. Einst war er selbst Rathauschef in dem südostungarischen 45.000-Einwohner-Ort.

Alle gegen Orbáns Partei

Was sich die beiden wohl zu sagen haben, wenn sie einander im Rathaus begegnen? "Ich habe Lázár seit meiner Wahl hier noch nicht gesehen", sagt Márki-Zay der "Wiener Zeitung". "Aber wir kennen uns von früher. 2009 hatte Lázár mir einen Job in seinem Team angeboten, mit sehr guter Bezahlung. Aber ich habe das abgelehnt, weil Freunde mich gewarnt haben. Lázár duldet nicht den leisesten Widerspruch, Kritiker wirft er nicht nur hinaus, sondern übt nachher auch noch Rache, um zu verhindern, dass der Unbotmäßige anderswo Arbeit bekommt."



Bis vor kurzem hatte die Büronachbarschaft der Lokal- und Landespolitik keine ideologischen Probleme aufgeworfen, denn der bisherige Bürgermeister István Almási gehörte derselben Partei an wie Lázár: Fidesz - zu Deutsch: Bund Junger Demokraten -, der am 8. April die dritte Parlamentswahl in Folge gewinnen dürfte. Dass der neue Sieg ebenso grandios werden wird wie die beiden vorherigen, die Fidesz die fast absolute Macht in Form einer Zweidrittelmehrheit gebracht hatten, ist gar nicht mehr so sicher. Die Zweifel daran kommen ausgerechnet aus Hódmezövásárhely. Nach dem Tod von Almási im November vergangenen Jahres waren Neuwahlen notwendig geworden. Und die hat überraschend eben nicht der Fidesz-Kandidat, sondern der parteilose Márki-Zay Ende Februar gewonnen - mit Unterstützung aller Oppositionsparteien, von linksliberal und grün bis hin zur extrem rechten Jobbik. All dies, obwohl der Ort als Fidesz-Hochburg galt.

Das hat auch Budapester Regierungskreise alarmiert. Orbán wettert nun noch schärfer gegen angeblich drohende Ströme von Migranten, die der ungarischstämmige US-Milliardär und Philanthrop George Soros nach Ungarn bringen wolle. Am Nationalfeiertag, dem 15. März, drohte der Premier mit einer nicht näher definierten "Genugtuung" nach der siegreichen nächsten Wahl.




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Dokument erstellt am 2018-03-30 18:27:05
Letzte Änderung am 2018-04-01 19:42:23


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