• vom 24.04.2018, 16:40 Uhr

Europastaaten

Update: 24.04.2018, 16:46 Uhr

Srebrenica-Massaker

Karadzic weist Schuld von sich




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa

  • Erste Instanz verurteilte Ex-Serbenführer zu 40 Jahren Haft. Anwälte sehen "keinen fairen Prozess".

Karadzic und seine Anwälte hatten 50 Einwände gegendas erstinstanzliche Urteil erhoben. - © APAweb, ap, Yves Herman

Karadzic und seine Anwälte hatten 50 Einwände gegendas erstinstanzliche Urteil erhoben. © APAweb, ap, Yves Herman

Den Haag. Im Berufungsprozess zum Völkermord von Srebrenica hat der Angeklagte Radovan Karadzic (72) alle Vorwürfe als haltlos zurückgewiesen. "Das sind unglaubliche Anschuldigungen ohne jegliche Grundlage", sagte der frühere Serbenführer in seinem Schlusswort vor dem UNO-Gericht am Dienstag in Den Haag. Der 72-Jährige war in erster Instanz 2016 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die Richter werden nun über ein endgültiges Urteil beraten. Das soll mehrere Monate dauern.

In erster Instanz hatte das UNO-Kriegsverbrechertribunal zum früheren Jugoslawien Karadzic 2016 für den Völkermord von Srebrenica, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Balkan-Krieg in den 1990er-Jahren zu 40 Jahren Haft verurteilt. Die Richter sahen seine Schuld für tausendfachen Mord, für Verfolgung und Zwangsvertreibungen von bosnischen Muslimen und auch für die 44 Monate lang dauernde Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo als erwiesen an. Dabei waren etwa 10.000 Bürger getötet worden.

"Wir hatten nie etwas gegen Muslime"

Karadzic wies alle Vorwürfe zurück und stellte sich erneut als "Friedensstifter" auf dem Balkan dar. Die Serben hätten sich nur verteidigt. "Wir hatten nie etwas gegen Muslime", sagte er. "Wir wollten immer nur friedlich als ein Volk zusammen leben."

Karadzic und seine Anwälte hatten 50 Einwände gegen das erstinstanzliche Urteil erhoben. Für den Völkermord von Srebrenica habe die Anklage keine Beweise vorgelegt, sagte Anwalt Peter Robinson. "Dies ist ein ungerechtes Urteil. Sie müssen es aufheben." Nach Ansicht der Anwälte hatte Karadzic auch "keinen fairen Prozess" bekommen. Sie forderten Freispruch oder die Anordnung eines neuen Prozesses.

Auch die Anklage hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Sie fordert eine lebenslange Haftstrafe. Sie wollen, dass die serbische Terrorkampagne gegen bosnische Muslime in Kommunen auch als Völkermord bewertet wird.

Schlimmstes Kriegsverbrechen seit 1945

Der frühere Psychiater Karadzic war erst nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt und an das Gericht ausgeliefert worden. Er gilt als einer der Kriegstreiber des Balkans und als politisch Hauptschuldiger für den Völkermord von Srebrenica.

1995 hatten serbische Einheiten unter dem serbischen General Ratko Mladic die damalige UNO-Schutzzone überrannt und dann rund 8.000 muslimische Männer und Buben ermordet. Das Massaker gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Mladic war erst im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt worden - unter anderem auch für den Völkermord von Srebrenica. Auch er legte Berufung ein.

Das Berufungsverfahren war vom sogenannten Mechanismus für UNO-Tribunale verhandelt worden, der Nachfolge-Organisation der Kriegsverbrechertribunale für Ex-Jugoslawien und Ruanda.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-24 16:41:51
Letzte Änderung am 2018-04-24 16:46:52


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Entwurf "verheerend" für Schottland
  2. May droht Misstrauensvotum
  3. "EU, dreckige Ratten"
  4. AfD gerät unter Druck
  5. "Großbritannien bleibt unser Freund, Partner und Allierter"
Meistkommentiert
  1. Merkel warnt vor Rückkehr des Nationalismus
  2. AfD gerät unter Druck
  3. Innenministerium bereitet Entlassung Maaßens vor
  4. Bundestagsverwaltung nimmt AfD-Parteispenden unter die Lupe
  5. Macrons europäische Friedensfeier

Werbung




Werbung