• vom 25.04.2018, 19:55 Uhr

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Europa rutscht bei Pressefreiheit ab




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  • Malta, Tschechien, die Slowakei und Serbien zählen im Index von Reporter ohne Grenzen zu den größten Verlierern.

Wien. Vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in der neuen Rangliste der Pressefreiheit am stärksten verschlechtert hat, liegen in Europa: die EU-Mitglieder Malta, Tschechien und die Slowakei sowie Serbien. Dies zeigt die Rangliste der Pressefreiheit 2018, welche die NGO Reporter ohne Grenzen am Mittwoch veröffentlicht hat. In diesen Ländern seien Spitzenpolitiker durch verbale Anfeindungen, Beschimpfungen und juristische Schritte gegen Journalistinnen und Journalisten aufgefallen. Zum Teil engten dort auch die Besitzverhältnisse der Medien die Freiräume für kritische Berichterstattung ein.

Am meisten Plätze verloren hat mit einem drastischen Fall um 18 Plätze Malta, das jetzt nur mehr auf Rang 65 von 180 liegt. Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, wies dabei auf den bis heute nicht aufgeklärten, 2017 begangenen Mord an der Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia hin.


Tschechien und die Slowakei büßten elf beziehungsweise zehn Punkte in der Rangliste ein. In der Slowakei wurden der Aufdeckungsjournalist Jan Kuciak und seine Verlobte im Februar ermordet. Nach Kuciaks Recherchen soll sogar die persönliche Assistentin von Premier Robert Fico vorher für italienische Unternehmer gearbeitet haben, die mit der Mafia in Verbindung und deshalb im Visier der italienischen Justiz gestanden haben sollen. Fico verkündete zwischenzeitlich seinen Rücktritt, die politische Krise in der Slowakei hält aber an.

Österreich stabil, Kritik an FPÖ
In der Rangliste kontinuierlich zurückgefallen ist Ungarn seit der Amtsübernahme von Premier Viktor Orbán 2010. Lag Ungarn damals auf Platz 23, so nimmt es nun Rang 73 ein. Durch die erdrückende Übermacht von Medien, die der regierenden Partei Fidesz nahestehen, vor allem im Rundfunk, waren Kandidaten der Opposition im Vorfeld der Parlamentswahl im April kaum Gegenstand sachlicher Berichterstattung, sondern vor allem Ziel von Verleumdungskampagnen.

Zur Situation in Österreich meinte Möhring, das Land liege 2018 wie im Vorjahr stabil auf Platz elf und damit im weißen Bereich, der bis Rang 15 gelte. Diesen Platz habe es aber auch aufgrund Verschiebungen innerhalb der restlichen Länder. Möhring kritisierte direkte Angriffe auf Journalisten vor allem durch Politiker der FPÖ. "Dieses Vorgehen dient, genauso wie wiederholte Drohungen von Einsparungen und Entlassungen im öffentlichen Rundfunk, der Einschüchterung von Journalisten. Ein Vorgehen, das einer Demokratie nicht angemessen ist", sagte Möhring.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-04-25 18:00:27
Letzte Änderung am 2018-04-25 18:46:06


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