• vom 15.05.2018, 18:02 Uhr

Europastaaten

Update: 15.05.2018, 19:24 Uhr

Ungarn

Eine Uni als Trutzburg gegen Viktor Orbán




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (9)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Alexander Dworzak

  • George Soros’ Stiftungsverbund schließt sein Büro in Ungarn. Die renommierte Universität will unbedingt in Budapest bleiben.

Für den Verbleib der CEU gingen seit 2017 zehntausende Ungarn auf die Straße.

Für den Verbleib der CEU gingen seit 2017 zehntausende Ungarn auf die Straße.© afp/Isza Für den Verbleib der CEU gingen seit 2017 zehntausende Ungarn auf die Straße.© afp/Isza

Budapest/Wien. Antisemitischen Verschwörungstheorien zufolge vereinen Juden nicht nur unüberwindbare Gegensätze wie Kommunismus und Kapitalismus. Sie ziehen die Fäden in Politik und Wirtschaft, beherrschen die Welt. Wäre George Soros, der laut Ungarns Premier Viktor Orbán und seiner Helfershelfer einen Plan zur Unterwanderung der christlichen EU mit Millionen muslimischen Flüchtlingen verfolgt, tatsächlich dermaßen mächtig: Wieso halten Soros’ "Open Society Foundations" (OSF) nicht dem Druck der Regierung eines Zehn-Millionen-Landes stand?

Der Stiftungsverbund schließt sein Büro in Budapest und zieht nach Berlin. "Die ungarische Regierung hat unsere Arbeit verleumdet und falsch dargestellt und die Zivilgesellschaft für politische Zwecke unterdrückt", erklärte Stiftungspräsident Patrick Gaspard die Abwanderung. "Es ist unmöglich, die Sicherheit unserer Operationen und Mitarbeiter in Ungarn vor willkürlicher Einmischung der Regierung zu gewährleisten." Rund 100 Mitarbeiter sind betroffen.


NGOs berichten, worüber Orbán-nahe Medien schweigen
Die weltweit operierenden OSF würden aber weiterhin Organisationen in Ungarn unterstützen, kündigte Gaspard an. Von einem "Scheinrückzug" spricht daher der Kommunikationsdirektor von Orbáns Partei Fidesz. Tatsächlich verliert die ungarische Zivilgesellschaft vor Ort einen zentralen Akteur, der Programme im Sinne einer offenen, pluralistischen Gesellschaft für Menschenrechte, Bildung, Gesundheit oder Pressefreiheit unterstützt. Genau dieser liberale Ansatz ist Orbán ein Dorn im Auge - wie auch Politikern in Russland, Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und nicht zuletzt Israels Premier Benjamin Netanjahu. Aufseiten der Linken wird Soros für seine Tätigkeit als Hedgefonds-Manager und Spekulant verurteilt, die Basis für die Philanthropie ist. Wie Soros zu seinem Vermögen gekommen ist, muss kritisch betrachtet werden. Auffällig ist jedoch, dass diese Kritik bei anderen Finanzmogulen ausbleibt. Im Fall von Soros vermengen sich politische, wirtschaftliche und religiöse Ressentiments, die im linken und rechten Spektrum anschlussfähig sind.

Noch vor knapp einem Monat dementierten OSF den Weggang aus Ungarn. Erst wolle man das "Stop Soros" genannte Gesetzespaket der Regierung abwarten. Über das Vorhaben wurde zwar noch nicht im Parlament abgestimmt. Doch ausgestattet mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit nach der Wahl im April, kann Orbáns Fidesz ohne Absprache mit anderen Parteien ihren Kurs verfolgen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-15 18:06:55
Letzte Änderung am 2018-05-15 19:24:48


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Zehn entscheidende Tage für Mazedonien
  2. Brennstoff für den eingefrorenen Konflikt
  3. Ein bisschen schuld
  4. "Eine Gefahr für Italien und ganz Europa"
  5. "Kein Abkommen heißt: Katastrophe"
Meistkommentiert
  1. Griechenland will 280 Milliarden Euro von Deutschland
  2. Seehofer bezeichnet GroKo als "stabil"
  3. Europas Flucht nach vorne
  4. Kern tritt nicht bei EU-Wahl an
  5. Kurz gibt CSU Wahlhilfe

Werbung




Werbung