• vom 17.05.2018, 18:17 Uhr

Europastaaten

Update: 17.05.2018, 19:26 Uhr

Bosnien und Herzegowina

Afrin in Sarajevo




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Von WZ-Korrespondent Tobias Müller

  • Vermehrt kommen Syrer aus Afrin nach Bosnien, um weiter nach Kroatien zu gelangen.

Leben im Zelt: Eine junge Frau aus Afghanistan campiert in Sarajevos Stadtzentrum.

Leben im Zelt: Eine junge Frau aus Afghanistan campiert in Sarajevos Stadtzentrum.© ap/Amel Emric Leben im Zelt: Eine junge Frau aus Afghanistan campiert in Sarajevos Stadtzentrum.© ap/Amel Emric

Sarajevo. Über fehlenden Zulauf kann sich Recep Tayyip Erdogan nicht beschweren, wenn der türkische Staatspräsident am kommenden Sonntag seine umstrittene Wahlkampfveranstaltung in Sarajevo abhält. Zehntausende Besucher werden in der bosnischen Hauptstadt erwartet, zahlreiche türkische Staatsbürger aus anderen Ländern werden sich zudem auf den Weg machen. Viele Hotels in Sarajevo sind bereits ausgebucht, die Preise der verbliebenen Zimmer auf Internet-Buchungsplattformen sind in die Höhe geschossen.

In EU-Ländern wie Österreich, Deutschland oder den Niederlanden mag Erdogan nicht willkommen sein - das Thema Wahlkampfauftritte vor der türkischen Diaspora sorgte in den letzten Jahren für einige diplomatische Zerwürfnisse. In Sarajevo dagegen wird seine Rede vor den vorgezogenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ein Ereignis, das die ganze Stadt in Atem hält.


Schauplatz ist die Olympia- Halle im Zentrum der Hauptstadt, die 20.000 Besucher fasst. Organisiert wird der Auftritt von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die im Ausland recht unverhohlen die Belange von Erdogans AKP vertritt. Auf dem Balkan ist sie seit Neuestem mit einer eigenen Schwester-Organisation vertreten. Die Union Europäischer Balkan-Demokraten (UEBD) wurde im Februar ins Leben gerufen. Nach Berichten des TV-Senders N1 will die UEBD allein aus Mazedonien 50 Busse organisieren.

Nun ist die Zuneigung aber auch in Sarajevo nicht ungeteilt. Da gibt es die Geschäftsleute, Mietwagen-Agenturen und Hoteliers, die sich über den besonderen Umsatz freuen. Auf politischer Seite geht die Unterstützung vor allem auf die nationalistische Partei der Demokratischen Aktion (SDA) zurück, die von Bakir Izetbegovic geleitet wird, Sohn des ehemaligen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic. Der heutige Vertreter der bosnischen Muslime im Staatspräsidium verteidigte den Auftritt Erdogans gegen Kritik: Das Problem der Europäer sei, "dass er ein mächtiger muslimischer Führer ist, wie es schon einige Zeit keinen mehr gab".

"Unser Sultan"
Viele nicht-muslimische Bosnier haben einen etwas anderen Blickwinkel. Man wirft Erdogan vor, Bosnien als Vasallenstaat zu behandeln. In einer Facebook- Gruppe wurde er "Diktator" genannt. Allerdings äußern sich andere User auch begeistert und heißen ihn als "unseren Sultan" willkommen.

Erdogans Besuch ist indes nicht das erste Mal, dass Europa mit Befremden nach Bosnien schaut. In Sarajevo wurde nämlich auch der knappe Sieg des Präsidenten im letztjährigen Verfassungsreferendum mit Autokorsos und türkischen Fahnen auf der Straße gefeiert. Bakir Izetbegovic hatte damals das Ergebnis begrüßt, da es "in der gesamten Region Stabilität" gewährleiste.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 18:21:51
Letzte Änderung am 2018-05-17 19:26:27


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