• vom 11.06.2018, 07:14 Uhr

Europastaaten

Update: 12.06.2018, 09:01 Uhr

Italien

Spanien nimmt Flüchtlingsschiff auf




  • Artikel
  • Kommentare (21)
  • Lesenswert (70)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, Reuters

  • Weder Italien noch Malta wollten die 629 Migranten an Bord der "Aquarius" aufnehmen.

Das Rettungsschiff "Aquarius" harrt weiter mit Hunderten Migranten und Helfern aus. - © APAweb, afp, Louise Gouliamaki

Das Rettungsschiff "Aquarius" harrt weiter mit Hunderten Migranten und Helfern aus. © APAweb, afp, Louise Gouliamaki

Madrid/Rom/Valletta. Spanien hat im Streit zwischen Italien und Malta um das NGO-Schiff "Aquarius" mit 629 Migranten an Bord einen entscheidenden Schritt gesetzt. Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte am Montag in einer Presseaussendung mit, dass Spanien die Einfahrt des Rettungsschiffes in Valencia aus "humanitären Gründen" zulassen wolle.

Der Stadtchef von Valencia, Joan Ribo, und auch Barcelonas Bürgermeisterin, Ada Colau, hatten sich bereit erklärt, im Hafen ihrer Städte das Schiff mit den Migranten aufzunehmen. Weder Malta noch Italien wollten das seit fast zwei Tagen auf dem Meer ausharrende Schiff der Organisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen in ihre Häfen einlaufen lassen.

100 Kinder unter den Geretteten

Unter den Geretteten sind auch mehr als 100 Kinder. Sie wurden am Wochenende bei sechs Einsätzen im zentralen Mittelmeer von seeuntauglichen Booten geholt. Das Rettungsschiff befindet sich derzeit 35 Seemeilen von Sizilien und 27 Seemeilen von Malta entfernt.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" teilte am Montag mit, die Situation auf dem Schiff sei "stabil". Ab Dienstag könnten jedoch die Lebensmittel ausgehen. "Wir verfügen über Wasser und Lebensmittel für alle, aber nur für heute", berichtete die Hilfsorganisation laut italienischen Medien.

Die NGO bat, zumindest jene Migranten an Land gehen zu lassen, die in einer schlechten gesundheitlichen Verfassung seien. Auch das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und die EU-Kommission appellierten an die italienischen und maltesischen Behörden.

"Italien darf nicht zu einem riesigen Flüchtlingslager werden"

Der neue italienische Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, hatte am Sonntag zum ersten Mal einem Rettungsboot untersagt, in einen Hafen des Landes zu fahren und Malta gebeten, die Einwanderer aufzunehmen. "Menschenleben zu retten ist eine Pflicht, doch Italien darf nicht zu einem riesigen Flüchtlingslager werden. Italien sagt jetzt nicht mehr 'Ja' und folgt. Diesmal sagen wir 'Nein'", gab Salvini am Montag auf Twitter bekannt.

Die maltesische Präsidentin Marie Louise Coleiro Preca bemühte sich, die Wogen zu glätten. "Italien und Malta sind zwei Nachbarländer und müssen im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik kooperieren", sagte Coleiro Preca bei einem Besuch am Montag im sizilianischen Catania.

Kirche kritisiert Salvini

Salvinis Haltung stieß bei der Kirche auf viel Kritik. Kurienkardinal Gianfranco Ravasi twitterte "Ich war fremd, und ihr habt mich nicht aufgenommen" aus dem Matthäusevangelium. Damit kritisierte er indirekt den harten Kurs Salvinis. Pater Camillo Ripamonti, Präsident der für die Flüchtlingsversorgung zuständigen Jesuitenorganisation "Centro Astalli", warnte, dass man unschuldige Menschen nicht im Meer sich selbst überlassen könne. Flüchtlinge auf hoher See nicht zu retten, sei eine schwere Verletzung der Menschenrechte und der internationalen Gesetze.

Während des Streits um die Aufnahme der Flüchtlinge forderte die neue italienische Regierung von der NATO eine stärkere Konzentration auf den Mittelmeerraum. "Von dort kommen derzeit die unmittelbarsten Bedrohungen für die Sicherheit unserer Bürger: Instabilität, Terrorismus und gewalttätiger Extremismus", sagte Regierungschef Giuseppe Conte am Montag in Rom nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Der Menschenhandel und der illegale Handel mit Waffen seien weitere Probleme.





Schlagwörter

Italien, Spanien

21 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-11 07:16:01
Letzte Änderung am 2018-06-12 09:01:31


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Juncker fand Treffen mit Trump "nicht vergnüglich"
  2. Schöne neue Geschichte
  3. Macrons europäische Friedensfeier
  4. Merkel fordert Frauen-Parität in Führungspositionen
  5. Die Ukraine setzt alle Hoffnungen auf die IT-Entrepreneure
Meistkommentiert
  1. Merkel warnt vor Rückkehr des Nationalismus
  2. Innenministerium bereitet Entlassung Maaßens vor
  3. Macrons europäische Friedensfeier
  4. Abgang mit einem Knall
  5. Merkel: Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht

Werbung




Werbung