• vom 29.06.2018, 18:23 Uhr

Europastaaten

Update: 29.06.2018, 18:45 Uhr

Holocaust

Van der Bellen erinnert an Österreichs Holocaust-Mitverantwortung




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  • Der Bundespräsident legte in Weißrussland den Grundstein für ein Mahnmal für die österreichischen Opfer von Maly Trostinec.

Fördert das Gedenken an den Holocaust: Lukaschenko (l.), hier mit Steinmeier (Mitte) und Van der Bellen in Maly Trostinec.

Fördert das Gedenken an den Holocaust: Lukaschenko (l.), hier mit Steinmeier (Mitte) und Van der Bellen in Maly Trostinec.© ap/N. Petrov Fördert das Gedenken an den Holocaust: Lukaschenko (l.), hier mit Steinmeier (Mitte) und Van der Bellen in Maly Trostinec.© ap/N. Petrov

Maly Trostinec/Minsk. (leg/apa) An der Seite des Weges, den die Präsidenten abschritten, standen Soldaten mit übergroßen Tellermützen Spalier, aus Lautsprechern kam getragene Trauermusik, und auf Videowalls wurden Flammen eingespielt: Weißrusslands Präsident hatte sich bei dem Besuch seines österreichischen Amtskollegen Alexander Van der Bellen und dessen Kollegen aus Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, in der KZ-Gedenkstätte in Maly Trostinec bei Minsk alle Mühe gegeben. Der weißrussische Präsident förderte in den letzten Jahren ostentativ das lange auch von ihm vernachlässigte Gedenken an die Opfer des Holocausts. Ein Teil der Gedenkstätte wurde am Freitag im Beisein der ausländischen Gäste eröffnet.

In dem Vernichtungslager kamen vermutlich mehr österreichische Juden ums Leben als in Auschwitz. Van der Bellen unterstrich in seiner Rede Österreichs Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Bundespräsident hielt fest, dass nach dem Zweiten Weltkrieg "der Wille zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Österreich mehr als zögerlich" gewesen sei. Jedoch sei das Vergessen und Verdrängen "in den letzten Jahren einem erstarkenden Willen zum Erinnern und Aufarbeiten gewichen", meinte Van der Bellen. Er sprach Lukaschenko seinen Dank aus für die Möglichkeit, "hier gemeinsam bei der Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit zusammenzuwirken". Zuvor hatte der Bundespräsident mit der Pflanzung einer Birke den Grundstein für ein österreichisches Denkmal für die Opfer von Maly Trostinec gelegt. Weißrussland und seine Bevölkerung hätten "unaussprechliche Leiden" erdulden müssen, erinnerte Van der Bellen.

Steinmeier erklärte, "das Wissen um das, was hier geschehen ist", werde zu einer "tonnenschweren Last". Die Errichtung der Gedenkstätte sei daher von unschätzbarem Wert. Sie sei erst durch die Bereitschaft Weißrusslands zur Versöhnung möglich geworden.

Ganz unumstritten ist der Besuch der westlichen Staatschefs bei dem weißrussischen Autokraten, der wegen seiner Menschenrechtspolitik lange mit EU-Sanktionen belegt war, dennoch nicht. Lukaschenkos umstrittene Herrschaftspraxis hat sich auch in letzter Zeit, seit es eine Annäherung zwischen Weißrussland und der EU gibt, nicht geändert. Immer noch werden regelmäßig Oppositionelle verhaftet, wenngleich meistens nur kurz. Auch die Todesstrafe ist in Belarus geltendes Gesetz und wird auf gewissermaßen altsowjetische Art mittels einer Exekutionspistole vollstreckt. Es fällt auch schwer, sich den bäuerlich-ruppigen Lukaschenko als sensiblen, einfühlsamen Vertreter einer Erinnerungskultur vorzustellen. In der Tat dürfte das Erinnern an den Holocaust für Lukaschenko vor allem eine Möglichkeit sein, politisch Punkte zu sammeln und sich als geachteter Staatsmann zu präsentieren.

In einem Gespräch nach dem Gedenkakt hat Van der Bellen bei Lukaschenko die sensiblen Themen Menschenrechte und Todesstrafe dann auch angesprochen. Auch über die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Weißrussland und Österreich und das sich bessernde Verhältnis zur EU wurde gesprochen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-29 18:28:56
Letzte Änderung am 2018-06-29 18:45:03


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