• vom 05.07.2018, 16:11 Uhr

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Update: 05.07.2018, 16:28 Uhr

Brexit

Jaguar Land Rover warnt vor "schlechtem Brexit"




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  • Traditionsmarke befürchtet Milliardeneinbußen und droht mit Investitionsanpassung.

Jaguar Land Rover befürchtet Umsatzeinbußen durch den Brexit.

Jaguar Land Rover befürchtet Umsatzeinbußen durch den Brexit.© APAweb, afp, Andrew Yates Jaguar Land Rover befürchtet Umsatzeinbußen durch den Brexit.© APAweb, afp, Andrew Yates

London. In der britischen Wirtschaft wächst die Sorge vor einem "schlechten" Brexit-Deal. Nachdem zuletzt bereits mehrere Unternehmen einen Rückzug aus Großbritannien ins Spiel gebracht hatten, warnte am Donnerstag die traditionsreiche Automarke Jaguar Land Rover vor möglichen Milliardeneinbußen und drohte mit einer "drastischen" Anpassung des Investitionsbudgets.

Das "Herz und die Seele" von Jaguar Land Rover lägen im Vereinigten Königreich, sagte Ralph Speth, Vorstandschef des Luxus-Autobauers, der seit 2008 zum indischen Konzern Tata Motors gehört. "Allerdings stehen wir und unsere Partner in der Lieferkette vor einer unberechenbaren Zukunft, wenn die Brexit-Verhandlungen keinen freien und reibungslosen Handel mit der EU aufrechterhalten", fügte der deutsche Manager hinzu.


Jaguar Land Rover benötige "dringend" größere Sicherheit, "um weiter erheblich im Vereinigten Königreich zu investieren und unsere Zulieferer, Kunden und 40.000 in Großbritannien ansässige Beschäftigte abzusichern", erklärte Speth. Ein "schlechter Brexit" - unter anderem mit Handelsbarrieren zwischen Großbritannien und seinen größten Handelspartnern - könne für Jaguar Land Rover Gewinneinbußen von mehr als 1,2 Milliarden Pfund (knapp 1,4 Milliarden Euro) pro Jahr bedeuten.

"Als Ergebnis müssten wir unser Investitionsprofil drastisch anpassen", stellte Speth klar. Seinen Angaben zufolge plant Jaguar Land Rover eigentlich, binnen fünf Jahren 80 Milliarden Pfund zu investieren.

2017 verkaufte Jaguar Land Rover insgesamt 621.000 Fahrzeuge - rund 80 Prozent davon außer Landes. Jedes dritte aus Großbritannien exportierte Auto trägt die Markenzeichen von Land Rover oder Jaguar. Das europäische Festland ist dabei einer der wichtigsten Absatzmärkte.

Nach Speths Erklärung appellierte die größte Gewerkschaft, Unite, an die britische Regierung, ein Brexit-Abkommen auszuhandeln, "der zum Vorteil der arbeitenden Menschen in diesem Land ist". Gewerkschaftschef Len McCluskey warnte die konservativen Tories von Premierministerin Theresa May davor, "russisches Roulette" mit "unseren Jobs" zu spielen.

Kabinett in Klausur
In den vergangenen Wochen hatten bereits mehrere große Unternehmen vor Unwägbarkeiten durch den britischen Austritt aus der Europäischen Union gewarnt. Der europäische Flugzeugbauer Airbus forderte einen klaren Deal und drohte andernfalls mit seinem Rückzug aus Großbritannien; auch Siemens und BMW warnten eindringlich vor den Brexit-Folgen.

Die Skepsis, die sich rund neun Monate vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens in den Führungsetagen der Firmen breitmacht, ist spürbar. In einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte äußerten sich 75 Prozent der Finanzchefs mit Blick auf den Brexit pessimistisch. Sie befürchten, dass ihr Geschäftsumfeld Schaden nehmen wird.

Am heutigen Freitag will May ihr zerstrittenes Kabinett zu einem wichtigen Treffen zum Brexit versammeln, der bereits am 29. März 2019 vollzogen werden soll. Dabei sollen auch Pläne für die künftigen Handels- und Zollabkommen mit der EU ausgearbeitet werden. Mays Regierung ist in diesen Fragen gespalten. Auf Seite der EU wird immer wieder von "unrealistischen" Vorstellungen der Briten gesprochen.




Schlagwörter

Brexit, Großbritannien, Jaguar

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Dokument erstellt am 2018-07-05 16:16:58
Letzte Änderung am 2018-07-05 16:28:14



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