• vom 11.07.2018, 17:31 Uhr

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NSU

Ein Urteil, viele Fragen




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  • Rechtsextremistin Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Rolle des Verfassungsschutzes bleibt dubios.

Nimmt ihr Urteil regungslos zur Kenntnis: Beate Zschäpe.

Nimmt ihr Urteil regungslos zur Kenntnis: Beate Zschäpe.© afp/Rehle Nimmt ihr Urteil regungslos zur Kenntnis: Beate Zschäpe.© afp/Rehle

München. (schmoe/dpa) Zehn Morde, Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle - jetzt ist das Urteil gesprochen: Die Hauptangeklagte, die 43 Jahre alte Beate Zschäpe, wurde am Mittwoch in München zu lebenslanger Haft verurteilt. Zschäpe, so Richter Manfred Götzl, war Mitglied der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU), die zwischen 2000 und 2007 neun Männer türkischer und griechischer Herkunft und eine Polizistin ermordet hat. Ein fünf Jahre dauernder Mammutprozess ist damit zu Ende.

Die Taten wurden von Zschäpes Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübt, ohne die Mitwirkung der Hauptangeklagten hätten die Pläne der beiden aber nicht umgesetzt werden können, so die Urteilsbegründung. Damit ist Zschäpe für die Verbrechen mitverantwortlich und nicht 14 Jahre lang eine harmlose Mitläuferin gewesen, wie ihre Verteidigung glauben machen wollte.


Böhnhardt und Mundlos standen nicht vor Gericht, sie hatten sich im Herbst 2011 selbst erschossen, bevor sie nach einem Banküberfall von der Polizei festgenommen werden konnten. Zschäpe hatte sich damals der Polizei gestellt.

Neben Zschäpe auf der Anklagebank saßen vier Helfer des NSU. Ralf Wohlleben, der die Mordwaffe besorgt haben soll, wurde zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Holger G. muss für drei Jahre, Andre E. für zwei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der geständige Carsten S. wurde zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt.

Erst linker Punk,
dann rechtsextrem

Der Prozess hat viele Fragen nicht klären können, aber Zschäpes Biografie in den Fokus gerückt: Es ist die Geschichte einer Radikalisierung im ostdeutschen Thüringen nach der Wende. Der Sozialarbeiter Thomas Grund erinnert sich, dass Zschäpe zunächst der linken Szene an gehört habe. Mit 15 sei sie mit einem Punk und dann mit einem Graffiti-Sprayer zusammen gewesen. 1992, mit 17, habe sie Uwe Mundlos in einem Jugendclub in Jena kennengelernt. Ab diesem Zeitpunkt sei sie rechts gewesen, hatte aber "keine Lust, nur die Braut des großen Nazis zu sein".

Zschäpe habe eine eigene Rolle spielen wollen. Sie verliebte sich in Uwe Böhnhardt, ebenfalls Neonazi, gefürchtet für seine Brutalität. Sozialarbeiter Grund sagt, es sei in der Clique "eine Todsünde" gewesen, dass einer dem anderen die Freundin ausspannt. "Das hat niemand verstanden, dass die drei sich hinterher noch verstanden." Die drei schließen sich Neonazi-Gruppen an, die Aktionen werden politischer und provokanter: Bombenattrappen, Drohbriefe, eine Puppe mit Judenstern, die sie von einer Autobahnbrücke hängen. Zschäpe sagt, sie habe nur von harmlosen Dingen gewusst, die in einer von ihr gemieteten Garage gelagert gewesen seien - "Propagandamaterial". Tatsächlich findet die Polizei in der Garage auch Sprengstoff.

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Dokument erstellt am 2018-07-11 17:37:58


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