• vom 12.07.2018, 08:00 Uhr

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Update: 12.07.2018, 16:25 Uhr

Trump-Besuch

Heftige Proteste erwarten Trump bei den Briten




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Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Normalerweise werden US-Präsidenten in Großbritannien gefeiert - gegen Donald Trump wird aber demonstriert.

London. Keine Menschenaufläufe auf den Straßen und massenhaft Sternenbanner erwarten US-Präsident Donald Trump heute Nachmittag in Großbritannien. Die "besondere Beziehung" zwischen London und Washington ist angeknackst.

Den US-Präsidenten erwarten Anti-Trump-Kundgebungen an allen Stationen seiner Reise. Wirtschaftskapitäne und prominente Politiker haben Einladungen abgesagt. Die Queen empfängt ihn nur, weil sie muss. Und in der Downing Street fürchtet man, dass Trump die Position von Premier Theresa May bewusst zu untergraben sucht.


Denn Trump hat schon vor seiner Ankunft signalisiert, dass er nichts von Mays Bemühung um weitere enge Verflechtung mit der EU hält. Brexit-Kompromisse, wie sie London plane, stellten den gleichsam erhofften Freihandelsvertrag mit den USA in Frage, hat der Londoner US-Botschafter Woody Johnson mitgeteilt.

Auf die Frage, ob May weiter an der Regierung bleiben solle, erklärte Trump kühl, das müssten die Briten selbst entscheiden. Jedenfalls hoffe er, auch den just aus der Regierung ausgeschiedenen Boris Johnson zu treffen: "Boris Johnson ist ein Freund von mir. Er war immer sehr nett zu mir, hat mich sehr unterstützt."

Stark abgeschirmter Besuch
Eine Privataudienz für den Ex-Minister, der sich nun gegen May stellt, wäre eine schallende Ohrfeige für die Regierungschefin. Unterdessen haben zehntausende Briten einen "Karneval des Widerstands" angekündigt, um gegen Trumps Politik zu protestieren. 4000 Polizisten aus allen Landesteilen sollen zusätzlich aufgeboten werden, solange sich der US-Präsident auf der Insel aufhält.

Nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch, um Trump den Anblick der Demos zu ersparen, hat man alle Auftritte des Präsidenten in abgelegene Herrenhäuser oder hinter Schlossmauern verlegt. Am Abend wird Trump in Blenheim Palace, der früheren Heimstatt Winston Churchills in der Grafschaft Oxfordshire, an einem Gala-Dinner mit Geschäftsleuten unter Vorsitz von Theresa May teilnehmen.

Am Freitag den 13., trifft er sich mit May zu Gesprächen auf dem Regierungs-Landsitz Chequers, in Buckinghamshire. Vorher ist ein Termin in der Militärakademie Sandhurst vorgesehen, danach ein Besuch bei der Königin in Windsor Castle. In London selbst hält sich der Präsident nur für eine Übernachtung auf - und zwar im Regent’s Park, in der gut abgeschirmten Residenz von Botschafter Woody Johnson. Auftritte des US-Präsidenten in irgendwelchen Stadtgebieten des Königreichs sind nicht geplant.

Erholung am Golfplatz
Am Freitag wird Trump dann nach Schottland weiterreisen, um sich von der Strapaze seines 24-stündigen Arbeitsbesuchs zwei Tage, bis Sonntag, "in privater Umgebung" zu erholen. Dabei handelt es sich um den Golfplatz Turnberry in Ayrshire, der Trump gehört.

Auf sein anschließendes Treffen mit Wladimir Putin kann sich Trump bei dieser Gelegenheit in aller Ruhe vorbereiten. Nach einem Blick auf Fox News wird er der Welt am Wochenende auch twitternd schildern können, was er von seiner Reise zu Theresa May und Elizabeth II. so hielt.

Die Tausendschaften an Demonstranten, die er zumindest im Fernsehen sehen wird, hoffen, dass sie einen guten Eindruck hinterlassen werden. Außer einer Reihe Kundgebungen am Rande von Flughäfen, Parkanlagen und Schlössern sind für Freitagmittag zwei große Märsche durch London geplant.

Noch vor Beginn dieser Märsche werden die Londoner, die den US-Präsidenten nicht zu Gesicht bekommen, zumindest dessen Abbild über allen Köpfen an der Themse bewundern können. Der sechs Meter hohe "Baby-Trump-Ballon" stellt einen zornig schreienden Säugling in Windeln, mit den Zügen Trumps, dar.

Der schon viel belachte Ballon darf sich als Zeichen des Protests nahe dem Parlament dreißig Meter in den Himmel erheben. Die Erlaubnis für die luftige Provokation erteilte Londons Bürgermeister Sadiq Khan, den Trump voriges Jahr einmal gehässig angegriffen hat.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-11 18:13:52
Letzte Änderung am 2018-07-12 16:25:54


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