• vom 31.07.2018, 13:32 Uhr

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Update: 31.07.2018, 17:10 Uhr

Frankreich

Kein Telefonieren mehr in Klassenzimmer




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Von WZ Online, APA, AFP

  • Umfassendes Handyverbot an französischen Schulen soll nach den Sommerferien gelten.

Das Handyverbot - ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron- wird nach den Sommerferien an Vorschulen, Volksschulen und weiterführenden Schulen gelten. - © APAweb/AFP/Getty Images, Spencer Platt

Das Handyverbot - ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron- wird nach den Sommerferien an Vorschulen, Volksschulen und weiterführenden Schulen gelten. © APAweb/AFP/Getty Images, Spencer Platt

Paris. In Frankreich gilt künftig an Schulen ein umfassendes gesetzliches Handyverbot. Abgeordnete der Regierungspartei La Republique en Marche und Liberale stimmten in der Nationalversammlung für die Regelung, während Vertreter linker und konservativer Parteien sich enthielten. In Österreich hält das Bildungsministerium eine solche Maßnahme für nicht sinnvoll.

Das Handyverbot - ein Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron - wird nach den Sommerferien an Vorschulen, Volksschulen und weiterführenden Schulen gelten. Es betrifft demnach Kinder und Schüler im Alter von drei bis 15 Jahren. Französische Gymnasien (Lycees) haben die Möglichkeit, ebenfalls einen solchen Schritt zu setzen, sind aber nicht dazu verpflichtet.

Die neue Regelung sieht ein Komplettverbot internetfähiger Geräte wie Handys, Tablets und Smartwatches in allen Räumlichkeiten und bei schulischen Aktivitäten auch außerhalb des Schulgebäudes vor. Ausnahmen gibt es für den Gebrauch für den Unterricht sowie für Kinder mit einer Behinderung.

Seit 2010 gilt in Frankreich bereits ein Gesetz, das die Handynutzung während des Unterrichts verbietet. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer machte jedoch geltend, dieses habe nicht flächendeckend gegolten und über keine solide Rechtsgrundlage verfügt. Das neue Gesetz befördere Frankreich "ins 21. Jahrhundert", erklärte er.

Knapp neun von zehn französischen Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren besitzen ein Smartphone. Verfechter des neuen Gesetzes argumentierten unter anderem, die Handynutzung störe die Aufmerksamkeit im Unterricht sowie das Schulklima und verringere die körperliche Betätigung auf den Schulhöfen. Kritiker des Verbots erklärten hingegen, die bisherige Regelung sei ausreichend gewesen. Sie warnten außerdem vor "logistischen Problemen und den Kosten" für die Aufbewahrung der Handys.

Kein Vorbild für Österreich

Das österreichische Bildungsministerium sieht die französische Maßnahme ebenfalls nicht als Vorbild. "Schülerinnen und Schüler nutzen das Smartphone in der Schule anders als in ihrer Freizeit", hieß es auf Anfrage der Austria Presseagentur. "Die Schule hat den Auftrag, Kinder und Jugendliche in einer digital geprägten Gesellschaft darauf vorzubereiten, selbstbestimmt zu handeln und verantwortungsbewusst ihren eigenen Lebensweg zu gestalten - beruflich wie privat."

Für fast alle Berufe seien digitale Kompetenzen nötig. Dazu gehöre weit mehr, als mit dem Smartphone Fotos zu machen oder Spiele online zu spielen. "Ziel ist, dass die Schüler in der Schule lernen, digitale Geräte zum Lernen und Arbeiten zu nutzen und mit anderen Menschen auch in der virtuellen Welt zusammenzuarbeiten und wertschätzend zu kommunizieren." Es spreche daher nichts gegen einen gezielten Einsatz digitaler Technologien in der Schule: Mit dem Smartphone könne man etwa tagesaktuelle Informationen ins Klassenzimmer holen.

Darüber hinaus gibt es an einzelnen Schulen Hausordnungen zum Umgang mit Handys. Die meisten sehen dabei vor, dass die Geräte während der Unterrichtsstunden grundsätzlich ausgeschaltet sein müssen - außer wenn es gemeinsam für Unterrichtszwecke genutzt wird. Viele Schulen schließen aber auch Handygebrauch in der Pause aus.





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Frankreich, Handyverbot

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 13:34:37
Letzte Änderung am 2018-07-31 17:10:00


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