• vom 31.07.2018, 17:02 Uhr

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Update: 31.07.2018, 17:14 Uhr

Rassismus

Wilder Westen im Süden




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Die Angriffe scheinen sich zu häufen. In Caserta bei Neapel wurden vor Tagen zwei junge Männer aus Mali per Luftdruckpistole verletzt. Die von einem Auto aus schießenden Täter sollen im Vorbeifahren "Salvini, Salvini" gerufen haben. Ähnliche Episoden wurden aus Neapel, Palermo, Vicenza, Teramo oder Forlì gemeldet. Nicht nur der ärmere Süden des Landes, in dem soziale Missstände mit Händen zu greifen sind, ist betroffen. Auch aus Nord- und Mittelitalien werden einzelne Vorfälle gemeldet. In Forlì wurde vor Tagen eine Nigerianerin von einem Scooter aus mit einem Luftgewehr angeschossen. Stets sind Ausländer oder Angehörige von Minderheiten Opfer.

Schüsse auf Afrikaner
Ganz neu ist das gewalttätige Klima in Italien gleichwohl nicht. Bereits während des Wahlkampfs im Februar hatte der 28-jährige Luca T. in der mittelitalienischen Kleinstadt Macerata dutzende Schüsse auf Afrikaner abgegeben, dabei sechs Menschen verletzt und vor seiner Verhaftung ausländerfeindliche Parolen skandiert. Nun liegen zwei Möglichkeiten als Ursache der jüngsten Eskalation nahe: Entweder bekamen vergleichbare frühere Episoden weniger Aufmerksamkeit in den Medien oder die drastische Ausländerpolitik der neuen Regierung wirkt auf die Täter wie die Legitimation für ihre Gewaltakte. Diskuswerferin Daisy Osakue sieht auch die Medien in der Verantwortung: "Die Menschen kleben vor den Fernsehern und wenn man ihnen ständig Hass vermittelt, erntet man am Ende eben auch Hass."

"Rassismus setzt sich fest"
Längst beschäftigt die Eskalation auch die Politik. Nur wenige Regierungsmitglieder oder Parlamentarier der Mehrheit aus Fünf-Sterne-Bewegung und Lega distanzieren sich von Innenminister Salvini. Staatspräsident Sergio Mattarella verglich Italien bereits mit einem gesetzlosen Land. Nach den Schüssen auf das Roma-Mädchen am 17. Juli sagte er: "Italien darf kein Wilder Westen werden." Am Montag fügte der Staatspräsident hinzu: "Der Rassismus setzt sich in den Brüchen der Gesellschaft fest." Auch der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, äußerte sich zu den Vorfällen und verurteilte den Rassismus. "Er ist der völlig verfehlte Versuch, mit unseren Ängsten und Sorgen fertig zu werden", sagte er.

Innenminister Salvini hingegen bestärkt seine Sicht auf die Realität seines Landes und weiß damit offenbar einen nicht geringen Teil seiner Landsleute hinter sich: "Die Italiener und die Regierung des Rassismus zu beschuldigen, ist verrückt. Ich erinnere daran, dass in Italien jeden Tag 700 Straftaten von Ausländern begangen werden."

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Schlagwörter

Rassismus, Italien, Flüchtlinge

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 17:11:25
Letzte Änderung am 2018-07-31 17:14:42


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