• vom 01.08.2018, 12:52 Uhr

Europastaaten

Update: 01.08.2018, 13:04 Uhr

Mittelmeer

Rettungsboot "Aquarius" wieder im Einsatz




  • Artikel
  • Kommentare (6)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP

  • Trotz der verschärften Asylpolitik Italiens läuft das Rettungsschiff wieder aus.

Die Aquarius ist wieder unterwegs im Mittelmeer. - © APAweb, AFP, Pau Barrena

Die Aquarius ist wieder unterwegs im Mittelmeer. © APAweb, AFP, Pau Barrena

Berlin/Marseille. Nach langer Ungewissheit ist nun klar - das Rettungsboot "Aquarius" startet am Mittwoch aus dem südfranzösischen Marseille. Damit möchten die NGO’s SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen (MSF) ein Zeichen gegen die Abschottungspolitik der EU gegenüber Flüchtlingen setzen.

Das Schiff sei "eines der letzten verbliebenen humanitären Rettungsschiffe" vor der libyschen Küste, teilte SOS Mediterranee in Berlin mit. "Obwohl sich die Bedingungen für eine Seenotrettung im Mittelmeer in den letzten zwei Monaten radikal verändert haben, gibt es keine Alternative zur Rettung von Menschen in Seenot", erklärte die Hilfsorganisation. Die "Aquarius" habe sich den neuen und "ungewissen Bedingungen in der Rettungszone strategisch und technisch angepasst".

Dazu zähle ein neues Schnellboot. Außerdem seien größere Nahrungsmittelvorräte an Bord, um für erneute Verzögerungen beim Anlaufen eines Hafens gerüstet zu sein. Für den Fall, dass Todesopfer geborgen werden, wurde eine Kühlkammer eingerichtet.

1100 Tote seit Jahresbeginn

"Die humanitäre Tragödie auf See, das Versagen der EU, spielt sich vor unseren Augen ab", kritisierte die Geschäftsführerin von SOS Mediterranee Deutschland, Verena Papke. Seit Jahresbeginn seien bereits mehr als 1.100 Menschen im zentralen Mittelmeer gestorben. "Über 700 davon starben allein seit Juni, dem Monat, in dem zivile Rettungsschiffe davon abgehalten wurden, Menschen in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste zu retten", hob Papke hervor.

Anfang Juni hatten Malta und Italien die "Aquarius" mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen. Die Odyssee des Rettungsschiffs endete erst nach einer Woche im spanischen Hafen Valencia. Seit dem 29. Juni befand sich die "Aquarius" zu einem ursprünglich nur für wenige Tage geplanten Wartungsstopp im Hafen von Marseille. SOS Mediterranee hat seit 2016 zusammen mit Ärzte ohne Grenzen mit der "Aquarius" nach eigenen Angaben mehr als 29.300 Flüchtlinge aus Seenot gerettet.

Schon seit Monaten nimmt die Zahl der Ankömmlinge in Europa drastisch ab. Nach Italien kommen nur noch verschwindend wenige Migranten: 1815 waren es im Juli, im Juli des Vorjahres 23 552.

Italien will Häfen schließen

Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten bei ihrem Gipfel Ende Juni eine Reihe von Beschlüssen zu einer Verschärfung der Migrationspolitik gefasst. Die neue rechtspopulistische Regierung in Italien, früher Hauptankunftsland von Bootsflüchtlingen, will die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auf Null zurückfahren und wird in dieser Haltung auch von Österreich unterstützt.

Im Juni entschied der italienische Innenminister Matteo Salvini, der der fremdenfeindlichen Partei Lega vorsteht, dass Schiffe von Hilfsorganisationen mit Flüchtlingen an Bord nicht mehr in italienischen Häfen anlegen dürfen. Auch Malta verweigerte wiederholt die Einfahrt von Schiffen mit geretteten Bootsflüchtlingen.





6 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-01 12:57:56
Letzte Änderung am 2018-08-01 13:04:24


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Regierung will EU-Arbeitnehmer im Land halten
  2. Griechenland ist noch nicht gerettet
  3. Anti-Moskau-Proteste in Prag
  4. Aushungern in Ungarn
  5. Salvini will Migranten nach Libyen schicken
Meistkommentiert
  1. Wachsende Kritik am Hochzeits-Besuch Putins
  2. Ausschreitungen in Bukarest
  3. "Den Schleppern das Handwerk legen"
  4. Aushungern in Ungarn
  5. Die EU hält an einheitlicher Familienbeihilfe fest

Werbung




Werbung