Wien. (red) Im Jänner 1968 wurde Alexander Dubcek zum KP-Vorsitzenden der CSSR bestimmt. Mit seinem Aufstieg begann auch der sogenannte "Prager Frühling". Es war der Versuch, den Sozialismus zu reformieren und zu demokratisieren. Medien durften wieder frei berichten, Meinungsfreiheit war erlaubt, ebenso Reisen aus der CSSR in westliche Länder. Das Machtmonopol der KP blieb jedoch erhalten, es war weiterhin keine andere politische Partei zugelassen. Ein Höhepunkt des Reformprogramms des Prager Frühlings war das "Manifest der 2000 Worte" im Juni 1968. Tschechische Schriftsteller stellten darin den Sozialismus als System und die führende Rolle der Kommunistischen Partei infrage. Die Kommunisten um Dubcek distanzierten sich vom Manifest, gingen aber nicht gegen dessen Verfasser vor.

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 begann der Einmarsch sowjetischer, polnischer, bulgarischer, ostdeutscher und ungarischer Truppen. Die tschechoslowakische Armee leistete keinen Widerstand, als wichtige Einrichtungen, Radiostationen und Zeitungsredaktionen besetzt wurden. Menschen kletterten auf Panzer, übermalten Straßenschilder, um den Soldaten die Orientierung zu erschweren. Unzählige Radiosender halfen dabei, den Widerstand zu organisieren. Bei Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und der Bevölkerung kamen mehr als 100 Menschen ums Leben.

Unterdessen suchten unzählige Tschechoslowaken in der österreichischen Botschaft in Prag Schutz. Zwar gab Außenminister Kurt Waldheim (ÖVP) die Anweisung, keine Visa auszustellen - doch der damalige österreichische Botschafter Rudolf Kirchschläger ignorierte das. Von 21. August 1968 bis im Herbst 1969 flüchteten rund 210.000 Tschechoslowaken in die Alpenrepublik.