• vom 10.08.2018, 23:25 Uhr

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Rumänien

Tränengas gegen Demonstranten




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Von WZ Online / APA

  • Auslandsrumänen fordern einen Wechsel in ihrer Heimat.

Mit Schlagstöcken und Tränengas ist die Polizei am Freitagabend in Bukarest gegen eine Demonstration von Auslandsrumänen vor dem Regierungsgebäude vorgegangen. Medienberichten zufolge wurden 247 Personen verletzt, davon eine schwer. 110.000 Menschen nahmen demnach an dem Protest teil, die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl geringer.

Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Ministerpräsidentin Vasilica Viorica Dancila und des sozialdemokratischen Parteichefs Liviu Dragnea als Parlamentspräsident, denen Korruption und eine Bevormundung der Justiz vorgeworfen werden.

"Wir gehen nicht weg", "Rücktritt", "Fort mit der Mafia-Regierung", "Ohne Straftäter in hohen Ämtern", "Wir sind das Volk" und "Wir geben nicht auf" skandierten die Demonstranten. Auch die Polizei bekam Sprechchöre ab: "Ohne Gewalt" und "Schämt euch, ihr beschützt Diebe", hieß es wiederholt in Richtung Ordnungshüter.

Weil gewaltbereite Demonstranten die Absperrungen durchbrachen und zum Regierungssitz vordringen wollten, setzte die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein. In rumänischen Medien wurde vermutet, dass es sich um Provokateure handeln könnte, deren Gewaltbereitschaft der Polizei einen Vorwand zum Eingreifen liefern sollte.

Zahlreiche Verletzte mussten in Krankenhäuser gebracht werden, weitere, darunter auch eine gehbehinderte Frau im Rollstuhl, verloren das Bewusstsein und mussten auf Tragen zu den bereitstehenden Rettungswägen gebracht werden. Als Folge wurde die Stimmung noch explosiver, die Polizei setzte bis zum späten Abend wiederholt Tränengas und kurzfristig sogar Wasserwerfer ein und ließ Sondereinsatzkräfte aufmarschieren. Der Polizeieinsatz war auch für das protestgewöhnte Bukarest außergewöhnlich.

Die Demonstranten ließen sich jedoch von Hitze und Reizgas nicht abschrecken und demonstrierten auch gegen 23 Uhr Ortszeit (22 Uhr MESZ) vor dem Regierungsgebäude. Auf dem zentralen Siegesplatz war ein riesiges Fahnenmeer zu sehen, da viele Auslandsrumänen auch die Fahnen ihrer Wohnländer schwenkten: Britische, spanische, italienische, US-amerikanische, kanadische, deutsche, belgische, dänische, schwedische, österreichische und viele andere.

Auch in mehreren anderen Städten - Sibiu, Cluj, Timisoara, Brasov, Iasi, Oradea, Galatz, Craiova und Constanta - demonstrierten weitere Zehntausende gegen die sozialdemokratische Regierung.

Unmittelbarer Anlass für das Aufflammen der Anti-Regierungs-Proteste ist die Entlassung der angesehenen Sonderstaatsanwältin Laura Kövesi Anfang Juli. Sie musste auf Betreiben der Regierung ihren Hut nehmen, der verfassungsrechtlich umstrittene Schritt wurde von dem der Regierung nahestehenden Verfassungsgericht gutgeheißen. Kövesi hatte zahlreiche Politiker der Korruption überführt und ins Gefängnis gebracht. Wegen Wahlmanipulation vorbestraft ist auch der starke Mann der rumänischen Regierung, Dragnea.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-10 22:53:16
Letzte Änderung am 2018-08-10 22:54:32


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