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Update: 16.08.2018, 17:12 Uhr

Russland

Die Metamorphosen der Ksenia Sobtschak




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Von WZ-Korrespondentin Simone Brunner

  • Sie trat bei den Wahlen gegen Putin an. Doch den Vorwurf, ein "Kreml-Projekt" zu sein, wird Sobtschak nicht los.

Die 36-jährige Sobtschak ist eine Meisterin darin, sich neu zu erfinden. - © APAweb, afp, Alexander Nemenov

Die 36-jährige Sobtschak ist eine Meisterin darin, sich neu zu erfinden. © APAweb, afp, Alexander Nemenov

Moskau. Es gab eine Zeit, da tourte Ksenia Sobtschak durch die Lande. Sie kletterte auf Müllberge, prangerte den Sexismus in Russland an und brüllte in Megafone. In einer Fernsehshow warf sie ein Wasserglas nach dem Rechtsaußen Wladimir Schirinowskij, nachdem dieser sie aufs Übelste beleidigt hatte. Sie reiste sogar nach Washington, um dort über die US-Sanktionen gegen Russland zu sprechen.

Wer heute ihren Namen in die Suchmasken eingibt, stößt auf eine ganz andere Sobtschak. "Wie jede Frau ist Ksenia Sobtschak immer auf der Suche nach der Universalformel zum Abnehmen, die ihr dabei helfen kann, für immer schlank zu bleiben", schreibt die "Komsomolskaja Prawda". In einem Lifestyle-Magazin gibt Sobtschak derweil Tipps, wie man in Moskau zu einer schicken Eigentumswohnung kommt.


Die 36-jährige Sobtschak ist eine Meisterin darin, sich neu zu erfinden. Doch die jüngste Wandlung war selbst für ihre Begriffe ein harter Schnitt. Nur wenige Monate liegen zwischen den beiden Rollen - der unbequemen Präsidentschaftskandidatin, die bei den Wahlen am 18. März mit dem Slogan "Gegen alle" antrat, und dem Gossip. Wenngleich ihr bei den Wahlen von vorneherein kaum große Chancen eingeräumt wurden, kam sie auf ein enttäuschendes Ergebnis von knapp 1,7 Prozent der Stimmen.

Dass sich ein Promi nach einer Niederlage wieder aus der Politik zurückzieht, ist eigentlich nicht ungewöhnlich. Doch geplant war die Sache eigentlich anders - zumindest offiziell. Unter großem Medienrummel hatte Sobtschak noch wenige Tage vor dem Wahltag gemeinsam mit dem Oppositionspolitiker Dmitrij Gudkow die Gründung einer neuen Partei angekündigt. "Wollt ihr in einem freien und jungen Russland leben?", rief Ksenia Sobtschak damals in einer Halle in das Mikrofon, unter dem Slogan: "Der Frühling ist nahe."

Beim Bürgermeister bedankt
Doch mittlerweile ist es Hochsommer. Dass sich Sobtschak zu Politik äußert, ist selten geworden. Wenige Wochen vor den Moskauer Bürgermeisterwahlen am 9. September hat sie eine Ausnahme gemacht. Dass sie sich auf Instagram für die Gründung eines neuen Sonderpädagogik-Zentrums für Kinder direkt beim kremltreuen Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin bedankt hat, wurde ihr vom Oppositionellen Alexej Nawalny einmal mehr als Beweis ausgelegt, mit dem Kreml im Bunde zu sein und für Sobjanin zu werben. "Ich unterstütze ihn nicht", konterte Sobtschak die Vorwürfe auf Facebook, "doch zugleich begrüße ich die positiven Veränderungen, die es nun mal in Moskau gibt."

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Dokument erstellt am 2018-08-16 16:41:36
Letzte Änderung am 2018-08-16 17:12:59


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