• vom 28.08.2018, 17:40 Uhr

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Update: 28.08.2018, 18:55 Uhr

Frankreich

Macron verliert sein grünes Gewissen




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Von WZ-Korrespondentin Birgit Holzer

  • Umweltminister Hulot tritt zurück - zu unambitioniert sei die Regierung angesichts der Klimakatastrophe.

Frankreichs scheidender Umweltminister Nicolas Hulot.

Frankreichs scheidender Umweltminister Nicolas Hulot.© Reuters/S. Mahe Frankreichs scheidender Umweltminister Nicolas Hulot.© Reuters/S. Mahe

Paris. Einen Mann wie ihn als Umweltminister in sein Kabinett zu holen, war einer der großen Coups von Emmanuel Macron zu Beginn seiner Amtszeit: Der beliebte Öko-Aktivist und frühere TV-Moderator Nicolas Hulot galt bereits lange davor als eine Art grünes Gewissen Frankreichs. Vergeblich hatten schon Macrons Vorgänger versucht, ihn anzuheuern. Dementsprechend hart ist nun der Schlag für den Präsidenten, ihn zu verlieren. Am Montag kündigte Hulot im Radiosender "France Inter" seinen Rücktritt an. "Ich will mich nicht mehr belügen", begründete der 63-Jährige die Entscheidung, die die schwerste seines Lebens sei. "Ich will mich nicht mehr der Illusion hingeben, dass meine Anwesenheit in der Regierung zeigt, dass wir auf der Höhe der Herausforderungen seien."

Während der Planet auf eine Klimakatastrophe zusteuere, begnüge sich die französische Regierung mit kleinen Schritten, klagte Hulot. Solange deren Mitglieder nicht an einem Strang ziehen und er seine Zeit mit Kämpfen gegen Landwirtschaftsminister Stéphane Travert verbringe, sei wenig zu erreichen - ob beim Kampf gegen Pestizide, gegen den Kohlendioxidausstoß oder für die Verringerung des Anteils von Atomenergie.


"Eine Anhäufung von Enttäuschungen"
So musste Hulot gegen seine eigene Überzeugung verkünden, dass die Regierung von dem 2015 in einem Gesetz zur Energiewende festgelegten Ziel absehe, den Nuklearstrom-Anteil bis 2025 von derzeit 75 auf 50 Prozent zu senken. Anders als versprochen wurde bislang kein einziger Reaktor geschlossen, auch nicht jene des ältesten Atomkraftwerkes Fessenheim am Oberrhein. Im Mai sagte Hulot bei der Vorstellung eines Plans für die Biodiversität, dieser sei "außer ein paar wenigen ohnehin allen egal".

Dass bei Regierungsberatungen über eine Jagdreform vor einigen Tagen zu seiner eigenen Überraschung ein Vertreter der Jägerlobby mit am Tisch saß, brachte das Fass zum Überlaufen. "Es ist eine Anhäufung von Enttäuschungen", so Hulot. "Ich glaube nicht mehr daran." Bereits mehrmals hatte er mit einem Rücktritt von der Spitze des Umweltministeriums gedroht.

Macrons Beliebtheit
ist stark gesunken

Trotzdem sollen gestern sogar seine Berater überrascht gewesen sein von seinem "Akt der Ehrlichkeit mit mir selbst". Vorgewarnt hatte er weder Regierungschef Édouard Philippe noch Präsident Macron, der sich seit Dienstag auf einer dreitägigen Reise in Dänemark und Finnland befindet und erklären ließ, Hulot könne "stolz auf seine Bilanz sein": "Wir bleiben völlig entschlossen, um in derselben Richtung und mit demselben Ehrgeiz weiter zu machen."

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Dokument erstellt am 2018-08-28 17:50:50
Letzte Änderung am 2018-08-28 18:55:07


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