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Update: 31.08.2018, 21:36 Uhr

Sachsen

Mehr als Nazis, Pegida und AfD




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Von Alexander Dworzak

  • Eric Hattke trotzt rechten Gruppierungen in Sachsen.



Auch von Morddrohungen ließ sich Eric Hattke nicht einschüchtern.

Auch von Morddrohungen ließ sich Eric Hattke nicht einschüchtern.© Amac Garbe Auch von Morddrohungen ließ sich Eric Hattke nicht einschüchtern.© Amac Garbe

Dresden/Wien. Wenn ein Brandanschlag auf ein zu beziehendes Asylwerberheim verübt wird. Und Bürger die Löscharbeiten behindern. Wenn ein Bus mit Asylwerbern belagert wird. Und die Menge "Holt sie raus!" sowie "Wir sind das Volk!" brüllt. Wenn die Kundgebung gegen die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft in Gewalt umschlägt, 30 Polizisten verletzt werden. Und der Mob von der rechtsextremen NPD orchestriert wird. Dann heißt es: Erklär mir Sachsen.

Die Vorfälle von Bautzen, Clausnitz und Heidenau ab 2015 sorgten für Empörung. Medien mit Hauptsitz im Westen der Bundesrepublik schraubten ihre Berichterstattung über die Region in die Höhe - und fuhren sie bald danach wieder zurück. Bis vor zwei Wochen: Ein Anti-Merkel-Demonstrant drangsalierte ein Team der ZDF-Sendung "Frontal 21" in Dresden und spannte die überforderte sächsische Polizei für seine Zwecke ein. Dass sich der Mann mit dem Schlapphut in den Deutschlandfarben als - mittlerweile ehemaliger - Mitarbeiter des sächsischen Landeskriminalamts herausstellte, brachte Politik und Exekutive in Erklärungsnot. Kurz darauf folgte der Mord an Daniel H. in Chemnitz, tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer. Rechtspopulistische und rechtsextreme Gruppierungen instrumentalisieren das schreckliche Messerattentat; bei einer Demonstration zeigten mehrere Personen den Hitlergruß, es gab Verletzte.

Pegida ließ die Hemmschwelle sinken

Sachsen ist wieder zurück in unguter Erinnerung. Die Triebfedern des Hasses waren nie weg. Pegida feiert demnächst ihr vierjähriges Bestehen. Die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" bringen zwar keine 25.000 Demonstranten mehr auf Dresdens Straßen. Aber ein harter Kern ist geblieben, die wöchentlichen Proteste reißen nicht ab. Die Gruppe hat ihr bürgerliches Mäntelchen abgestreift, lädt zum Beispiel Vertreter der rechtsextremen Identitären Bewegung zu ihren Kundgebungen. Und das Publikum skandiert "Absaufen! Absaufen!", wenn die Rede von einem Schiff ist, das mit 234 Geretteten im Mittelmeer herumirrt, weil es nirgends einlaufen darf. So geschehen im Juni.

Die Hemmschwelle sei seit Pegida dramatisch gesunken, sagte Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz dem "Spiegel". Eric Hattke bekam dies am eigenen Leib zu spüren. "Ich habe vor Pegida nicht gesehen, wie tief das rechte Gedankengut geht und wie sehr man bereit ist, Gewalt anzuwenden", sagt er zur "Wiener Zeitung". Ab 2014 engagierte sich der damals 23-jährige Student bei "Dresden für alle". 100 Organisationen schlossen sich zusammen, veranstalteten ebenfalls Kundgebungen. Bis zu 10.000 Personen kamen, um die andere Seite Sachsens zu zeigen. Diese sollte nicht ständig von rechten Umtrieben verdeckt werden. Hattke wurde Sprecher von "Dresden für alle" - und mit Morddrohungen überzogen: "Besonders gerne mochte man mich an Laternen aufhängen", sagt er trocken. Den Gewaltaufrufen trotzte er nach dem Motto: Jetzt erst recht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 18:08:53
Letzte Änderung am 2018-08-31 21:36:36


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