• vom 03.09.2018, 18:11 Uhr

Europastaaten


EU-Austritt

Brexit-Sorgen weiten sich aus




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  • Unsicherheit über EU-Austritt Großbritanniens und schwache Wirtschaftszahlen belasten Pfund.

Der Gesprächsbedarf zwischen Großbritannien und der EU ist noch groß.

Der Gesprächsbedarf zwischen Großbritannien und der EU ist noch groß.© ap/Virginia Mayo Der Gesprächsbedarf zwischen Großbritannien und der EU ist noch groß.© ap/Virginia Mayo

London. Wäre es ein Wrestling-Kampf, stünde der Sieger schon fest: London werde auf der Matte liegen und die EU darüber kreisen. So plakativ wie vereinfachend stellt der ehemalige britische Außenminister Boris Johnson die Gespräche über den EU-Austritt Großbritanniens dar. Seine Überlegungen publizierte er in der EU-kritischen Zeitung "Daily Telegraph", in der er seit seinem Rücktritt im Juli regelmäßig gegen Premierministerin Theresa May und deren Kabinett wettert. Die Regierungschefin hatte gegen den Willen der Brexit-Hardliner, die einen klaren Bruch mit der Union fordern, ihre Vorschläge auf den Verhandlungstisch gelegt. Die Pläne sehen unter anderem eine Freihandelszone mit der EU für Güter und Agrarprodukte vor. Damit sei London mit einer "weißen Fahne" in die Schlacht gezogen, meint Johnson.

Mehr als durch solche Zurufe ist May allerdings durch Kritik aus den eigenen Reihen der Konservativen unter Druck. Eine Gruppe von Parlamentariern soll schon an einem alternativen Brexit-Plan arbeiten, berichteten britische Medien. Und auch die andere Seite zeigt sich nicht unbedingt zufrieden mit dem Verlauf der Gespräche. Am Wochenende sprach sich EU-Chefverhandler Michel Barnier in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" dagegen aus, dass sich das Königreich einzelne Teile des gemeinsamen Marktes herauspicke, an denen es sich beteiligen möchte. Großbritannien könne stattdessen einen Freihandelsvertrag wie Kanada oder Südkorea erhalten. Gleichzeitig forderte Barnier europäische Unternehmen auf, sich auf einen geordneten und ebenso einen ungeordneten Brexit vorzubereiten.


Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen hinterlässt Spuren. So haben die Furcht vor einem ungeregelten EU-Austritt sowie enttäuschende Konjunkturdaten am Montag das Pfund Sterling unter Druck gesetzt. Die britische Währung fiel zum Dollar auf 1,2855 Dollar von 1,2961 Pfund am Freitag. Der Euro verteuerte sich auf 90,33 Pence von 88,52 Pence.

Exportgeschäft schrumpft
Auch die Unsicherheit über die künftige Führung der Bank von England belastete laut Händlern die britische Währung. Medienberichten zufolge will die Regierung Notenbank-Gouverneur Mark Carney mit Blick auf den EU-Austritt länger im Amt halten. Laut Recherchen des Senders BBC geht im Finanzministerium die Sorge um, dass es inmitten der Brexit-Verhandlungen schwierig werden könnte, einen Nachfolger für den Kanadier zu finden.

Die Stimmung in der Wirtschaft konnten auch aktuelle Zahlen nicht heben. Denn die britische Industrie wächst wegen des schrumpfenden Exportgeschäfts so langsam wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex fiel im August überraschend um 1,0 auf 52,8 Punkte, wie das Institut IHS Markit zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit Juli 2016, als die Stimmung nach der Brexit-Entscheidung in den Keller ging. Danach hatte der Kursverfall der Landeswährung Pfund das Exportgeschäft angekurbelt.

Die Produktion dürfte im laufenden Sommerquartal wohl nur stagnieren, sagte Markit-Experte Rob Dobson. "Das bedeutet, dass die Industrie im dritten Quartal wahrscheinlich keine Unterstützung für die gesamte britische Wirtschaft leisten wird." Sie steht für etwa zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Die Unternehmen steigerten ihre Aufträge so schwach wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Dabei fielen die Exportaufträge sogar erstmals seit April 2016. "Einige Firmen verknüpften die geringeren Zuflüsse an neuer Arbeit aus dem Ausland mit dem zuletzt schwächer werdenden Expansionstempo der Weltwirtschaft", betonte Markit. Die jüngste Abschwächung des Pfunds habe die Ausfuhren nicht ankurbeln können.




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Dokument erstellt am 2018-09-03 18:20:58


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